Kultur : Diese Woche auf Platz 4 David Bowie

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Nietzsche, Freud und Einstein stehen in ledernen Schwarten im Regal. Und auch fürs Cover haben ihn Man Ray, Dali und Bunuel inspiriert. Keine Frage, David Bowie, verfügt nicht nur über ein geschätztes Privatvermögen von 800 Millionen Euro, er hat auch Geschmack. Aber wie hieß noch gleich sein letztes Album? Eben. Der Mann, so scheint es, kann unermüdlich publizieren - und vielleicht wird er auch 300 Jahre alt, wie er sich jüngst im „Spiegel" wünschte -, aber seine besten Platten hat er längst gemacht.

Selbst mit Computerspielen wie „The Nomad Soul“ - in dem er als Anführer einer Gruppe von Terroristen die mit unsäglichen Werbespots und Seifenopern in künstlicher Apathie gehaltene Menschheit auf den rechten Weg führt - schien er kreativer zu sein als im Aufnahmestudio. Doch Bowie wäre nicht Bowie, würde er nicht noch mindestens ein Dutzend Mal aus der Asche steigen. Schließlich hatte er schon 1973, nach einem misslungenen Konzert, erstmals seinen Abgang verkündet.

Nun hat sich Bowie nach all dem halbgaren Rumgekunste mit Brian Eno wieder mit dem Mann versöhnt, mit dem er in den 70ern „Heroes“ oder „Scary Monsters“ produzierte. Tony Visconti, ein Mann des Glam-Rock und der kandierten Pose. Kein Klavier ist ihm zu klimperig, keine Streicherwand zu breit.

Entzweit hatten sich die beiden, als Bowie für „Let’s Dance“ den damals angesagten Sound-Designer und Gitarristen Nile Rogers verpflichtete. Visconti plauderte daraufhin ein wenig aus dem gemeinsamen Sex- und Drogenkästchen. Das ist anscheinend mittlerweile vergessen. Auch wenn es hier noch nicht nach neuen Klassikern riecht: Der wiederum gereifte und abgeklärte Bowie macht mit seinen 55 Jahren endlich wieder richtige Songs. Welcome back, Mr. Jones! Ralph Geisenhanslüke

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