Kultur : Diese Woche auf Platz 4 Madonna:

„Die Another Day“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Einen Job bei 007 stellen sich die meisten Leute gewiss glamouröser vor. Mochten ihre Vorgängerinnen Champagner schlürfen und sich auf seidenen Laken räkeln – Madonna wird als Bond-Girl übel mitgespielt. Nord-Koreanische Soldaten schleifen sie in fiese Katakomben und foltern sie. Sie aber, geschunden und verschorft, gibt ihr Geheimnis nicht preis. „I’m Gonna Die Another Day“, singt sie. Ich sterbe ein anderes Mal.

Erstaunlich, dass es den Bond-Textern immer wieder gelingt, Dreiwortsätze zu bilden, in denen die elementare Spannung zwischen Leben und Tod schimmert. Madonna selbst sieht aus, als würde sie gleich bei Damien Hurst auf dem Seziertisch landen. Der Umzug nach London und der künstlerische Austausch mit Ehe-Mann und Regisseur Guy Ritchie („Snatch“) bringt ihre neueste ImageTransformation nah an den Trash- Kult der britischen Kunst und Mode. Ritchie zeigt gern die hässlichen Seiten des Lebens. In seinen Filmen lässt er das Blut nur so spritzen. Auch Madonnas Video wirkt zunächst wie ein Schlag ins Gesicht. Der Schreck wird sich legen, wenn diese Bilder in die globale MTV-Tapete eingegangen sind und in Boutiquen und Fitness-Studios laufen.

Doch in Zeiten täglicher Terrormeldungen vermittelt ein Refrain wie „Die Another Day“ auch einen trotzigen Sarkasmus. Man kann sich zu diesem Song problemlos Bilder der Disco auf Bali vorstellen, des Theaters in Moskau oder eines Selbstmordattentats in Israel. Madonna hat den traurigen Zeitgeist in eine kühle Stimmung übersetzt. Ihr Gesang ist mit Effekten so verfremdet, als wäre sie Sample-Rohmaterial, das einfach in den Synthesizer geladen wird. Mit solchen Sounds erreicht man nicht unbedingt Rolex-Träger oder Sportwagenfahrer. Aber James Bond, der Agent im Dienste seiner Sponsoren, erhält vielleicht wieder Anschluss an jüngere Zielgruppen. Ein gutes Beispiel dafür, wie sich ein Anti-Auftritt in die Markenlogik fügen kann.

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