Kultur : Diese Woche auf Platz 48 Moloko:

„Statues“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Die Frau geht zum Mann und fragt: „Magst Du meinen engen Pulli?“ – Roisin Murphy und Mark Brydon aus Sheffield haben diese Geschichte oft erzählt und sogar ihr erstes Album als liebendes und musikalisches Paar danach benannt. „Do You Like My Tight Sweater?“ machten die Sängerin und den Keyboarder Mitte der neunziger Jahre bekannt. Roisin Murphy trug auch auf der Bühne knappe Textilien und wand sich um den Mikrofonständer – aber sie verband körperliche und vokale Grazie mit unberechenbarer Aggression. So irritierend wie der Kontext, aus dem der Name ihrer Band stammt: Moloko ist das Milchgetränk, das in Anthony Burgess’ Roman „Clockwork Orange“ in die Kehle von Alex und seinen Droogs fließt und ihnen Lust macht „auf ein bisschen von der alten Ultra-Brutalität". Auf dem Cover von „Statues“ sieht Roisin Murphy beinahe aus wie ein Mitglied dieser Clique. Miss Murphy findet: Ihre Wut steht ihr gut. Im Gegensatz zu so genannten Trip-Hop Bands wie Massive Attack oder Portishead haben Moloko den Bereich des depressiven Midtempo verlassen. Ihre House-Hymnen wie „Sing It Back” oder „The Time Is Now“ füllen weltweit auch die schickeren Dancefloors. Trotzdem sind sie voller Widerhaken und Überraschungen. Moloko-Songs klingen beim ersten Hören häufig , als würden ihre Elemente in alle Windrichtungen auseinander streben. Aber dann werden sie, wie Miss Murphy, richtig nett.

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