Kultur : Diese Woche auf Platz 5 Die Ärzte

„Rock ’n’ Roll Realschule“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Das Gymnasium war’s – und nicht die Realschule. Für eine preiswerte Alliteration lassen die Ärzte gern mal fünfe gerade sein. Kein blöder Witz dagegen war die Idee, ihr „MTV unplugged“-Konzert in einer Hamburger Aula zu geben und das Schulorchester zu temporären Bandmitgliedern zu machen. Das hat Klasse. Nicht nur weil die Eminenzen des deutschen Pennälerhumors ihre Kernzielgruppe besuchten. Die neuen akustischen Arrangements legen auch verborgene Reize der sattsam bekannten Songs frei. Wer hätte gedacht, dass die Springtanz-Nummer „Hurra“ das Zeug zur Ballade hat?

Während der Weihnachtszeit werden die Charts traditionell mit zuckrigen Best-Of-Alben verklebt (momentan allein 17 unter den ersten 100). Den Ärzten aber gelingt ein kleiner Geniestreich: ihre Approbation als ernsthafte Lausbuben. 30 000 Leute auf dem Mariannenplatz zu bespielen – wie im Juni – ist die eine, handgespielte Kleinteiligkeit die andere Kunst. Die Ärzte haben mit den Toten Hosen und „Bravo“ das Bild von Punk in Deutschland geprägt – und sind darüber hinaus gewachsen. „Männer sind Schweine“ wird längst auch im Bierzelt gegröhlt. Wer käme auf die Idee, der Band das vorzuwerfen? In Sachen Haltung brauchten sie nie Nachhilfe. Derzeit fahren deutsche 80er-Helden (Fehlfarben, DAF) wieder aus der Gruft hoch. Die Ärzte haben einfach weitergemacht. Bleibt ein Wunsch: bitte endlich „Kraftwerk unplugged“.

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