Kultur : Diese Woche auf Platz 5 George Michael:

„Patience“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Georgios Kyriakou Panayiotou war vermutlich schon immer etwas ungeduldig. Er wollte niemals etwas anderes werden als Popstar. Und die Geschichte der Popmusik wäre um einige Kapitel ärmer, hätte er das Londoner Restaurant seines Vaters übernommen. Nein, zwischen Gyros-Spieß und Ouzo-Flasche kann man sich Georgios nur schwer vorstellen. Denn aus Giorgios wurde George, der schon mit 17 seine ersten Hits schrieb. Wham!, hieß das Duo, mit dem er höchst einträglichen Kaugummipop fabrizierte. Als er 24 war, veröffentlichte George sein Solo-Album „Faith“, aus dem er nicht weniger als sechs Nummer-1-Hits herauskitzelte. Dann wurde er auf sehr eigenwillige Art erwachsen und begann sich mit seiner Plattenfirma zu streiten. Nichts Ungewöhnliches, abgesehen von dem langwierigen Prozess, den er verlor.

Vielleicht hätten wir George als überdurchschnittliches Talent mit abseitigem Geschmack bei Sonnenbrillen und Fransenlederjacken in Erinnerung behalten. Aber dann kam der Tag, als George beim Sex mit einem anderen Mann von der Polizei beobachtet wurde. Auch das nicht ungewöhnlich, es sei denn, man tut es in den USA. Das erzwungene Outing verschaffte ihm derartigen Respekt, dass George–„Und das ist gut so“–Michael sich fortan beinah alles erlauben konnte. Aus dem skandalumföhnten Schöpfer schwülstigen Schönklangs war längst ein respektierter Künstler geworden. Heute ist George 40 und hat gerade sein erstes Album seit acht Jahren veröffentlicht. Ein reifes, ausgeklügeltes Werk, das auf unermüdlichen Perfektionismus schließen lässt, und unter dessen gelackter Oberfläche der Sarkasmus brodelt. Doch kaum stand „Patience“ in den Läden, verkündete er, dies sei sein letzter physischer Tonträger. Er wolle in Zukunft nur noch im Internet veröffentlichen. Vielleicht muss man mit George Michael auch weiterhin etwas Geduld haben.

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