Kultur : Diese Woche auf Platz 66 Outkast „Speakerboxxx / The Love Below“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Ein genialer Songschreiber kommt – das zeigen schon die Doppelpacks Lennon/McCartney oder Jagger/Richards – nicht immer allein. Häufig sind die Paarungen Gegensätze: Hipster und Geschäftsmann oder Biedermann/Brandstifter. Sie stehen in symbiotischer Beziehung und sind als isolierte Hälften nicht einmal halb so kreativ. Irgendwann aber haben sie sich auseinander gelebt und hängen den gemeinsamen Glanzzeiten nach.

Antwan Andre Patton und Andre Lauren Benjamin aus Atlanta/Georgia sind für so etwas noch zu jung. Mit ihren 28 Jahren haben sie schon einige Meilensteine an den Weg der HipHop-Geschichte gelegt. Patton, bekannt als „Big Boi“ ist ein Mann des Beats. Benjamin, bekannt als Andre 3000, ist ein Freund von Funk und Soul. Gemeinsam ließen sie den maschinengläubigen Standard-Hip-Hop hinter sich. Doch nun, nach sechs Alben unter dem Namen Outkast, Hits wie „Ms. Jackson“ und einigen Milliönchen auf dem Konto, haben auch sie sich entzweit. Benjamin begann zu malen, Patton züchtet Pitbulls.

Doch Outkast sahen darin keinen Grund zu Traurigkeit. Ihr siebtes Album ist eine Doppel-CD, die aus zwei Solo-Alben besteht. Gerade ihre Unterschiedlichkeit lässt verstehen, woraus die magische Chemie zwischen den beiden besteht, oder: bestanden hat. Patton, der Erdverbundene, lässt die Groovebox wummern, Benjamin, der Feingeist hat ein Konzeptalbum über die Liebe geschrieben, in dem beinah alles zwischen zappaeskem Jazz und Alternative Rock Platz hat. Auf jeden Fall wiegt diese Wagenladung von 39 Tracks mindestens eine Jahresproduktion Fast-Food-Hop auf. Und weil die eine CD rosa und die andere rot ist, kann man schon jetzt von einem HipHop-Klassiker sprechen: dem rosaroten Album.

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