Kultur : Diese Woche auf Platz 86 Ibrahim Ferrer

mit „Buenos Hermanos“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Für diese Platte müssen wir uns auch bei Bill Clinton bedanken. Der ehemalige US-Präsident soll sich noch in seinen letzten Amtstagen persönlich dafür verwendet haben, dass der Musikproduzent Ry Cooder weiter in Kuba arbeiten darf. 100 000 Dollar Strafe soll Cooder schon bezahlt haben: weil er sich bei der Produktion des „Buena Vista Social Club“ über das Embargo hinwegsetzte. Er wird es verschmerzt haben. Das Album, die erfolgreichste World-Music-Produktion bislang, wurde weltweit sieben Millionen mal verkauft. Nun aber könnte es bald aus sein mit Cooders Trouvaillen aus Havanna. Die Behörden haben ihm weiteren musikalischen Austausch mit Fidels fidelen Rentnern verboten.

Kurz vor dem vorläufigen Torschluss hat Ibrahim Ferrer es geschafft, sein zweites Solo-Album fertigzustellen. Dabei hätte er beinahe vorzeitig aufgegeben. Der 76-jährige Sänger berichtet von strapaziösen Aufnahmen. Ein hartnäckige Halsentzündung. Hinterher jedoch sagte er: „Diese Lieder machen mich jünger“.

Ferrer hat auf seinem mittlerweile legendären Lebensweg viele Tiefen gesehen. Vor sieben Jahren wurde er von der Straße, wo er Schuhe putzte, ins Studio gezerrt. Heute bewohnt er mit seinen sieben Söhnen, 13 Enkeln und sieben Großenkeln ein schönes Haus und behauptet lächelnd, er sei immer derselbe geblieben. Nur die Umstände hätten sich geändert.

Being Ibrahim Ferrer – das genügt. Sein Lederkäppi, das bescheidene Lächeln. Das sind heute Insignien eines Weltstars, über den Frauenmagazine seitenlange Porträts bringen, der Grammys im Schrank hat und in Tokyo Massenaufläufe verursacht. Ferrer belegt zwar in den Media-Control-Charts nur Platz 86, aber dafür in den World-Music-Charts, also bei seinem Publikum, Platz eins.

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