Kultur : Dieses Jahr auf Platz 1 Robbie Williams

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Bereits letzte Woche wurden von Media Control die Jahres-Charts 2003 veröffentlicht. Das halten einige Leute in der Musikbranche für zu früh – weil die beiden umsatzstärksten Wochen nicht mit einbezogen werden. Unstrittig ist: Der Mann des Jahres heißt Robbie Williams. Das mag zunächst verwundern, denn Williams’ Album „Escapology“ erschien bereits im November 2002 und steht nur auf Rang 4 der Albumwertung. Aber Williams ist der am besten verkaufende Einzelkünstler des Jahres. Das verdankt er einer Flut von Veröffentlichungen. Besonders auf dem Live- und DVD-Sektor ist Robbie in beinah jedem Player zu Hause.

Nach Umsatz und Medienbohei allerdings geht Dieter Bohlen als Pekuniator des Jahres durchs Ziel. Nicht nur wurde das Album der ersten Superstar-Staffel als das meistverkaufte des Jahres registriert. Bohlen hatte gleich bei sechs Songs-Surrogaten aus der DSDS-Schiene die Finger am Regler und die Tantiementasche offen. Außerdem chartete die von Bohlen produzierte Soap-Darstellerin Yvonne Catterfield. Markt ist Pop und Pop ist Markt. Und das bedeutet – um den Slogan einer Handelskette zu zitieren, für die Bohlen wirbt: „Es lebe billig!“ Bröckelnde Nachfrage bei der zweiten Superstar-Staffel zeigt allerdings: Das Geschäft funktioniert nur durch Indoktrination. So lang die Medien es den Leuten einprügeln, wird es auch verkauft. Lässt die Schlagfrequenz nach, tun es auch Quoten und Umsatz.

Der Bertelsmann-Konzern entwickelte mit DSDS eine beispiellose Verwertungskette und schien damit ein Konzept gegen die Krise zu haben. Doch der Zwangskauf von Zomba Records zum Preis mehrerer zentralafrikanischer Volkswirtschaften hat BMG schwer zugesetzt. Die Fusion mit der ebenfalls angezählten Sony Music soll im nächsten Jahr die nächste Konzentrationsrunde unter den Konzernen einläuten, bevor danach Warner und EMI zusammengehen. Nach der Fusion mit Sony Music will die BMG 2000 Leute entlassen. Die haben dann auch kein Geld mehr, um CDs zu kaufen. Aber die Bilanzen sehen vielleicht endlich besser aus.

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