Kultur : Dieses Möbel trumpft nicht auf

Kunstgewerbemuseum[bis 7. April.]

Gegen eine Präsentation im Museum hat sich der Möbel-Designer Peter Maly lange gewehrt: "Das Endziel ist nicht der Sockel im Museum, sondern die Harmonie des gesamten Ensembles einer Wohnung", hat er noch vor zwei Jahren betont. Nun ist er mit seinen Arbeiten doch im Museum gelandet: Nach einer Station in Hambung sind rund 50 Möbel und Accessoires zu seinem 65. Geburtstag im Berliner Kunstgewerbemuseum zu sehen. Es ist die Krönung eines konsequenten Weges: Maly hat sich nie Modeströmungen unterworfen. Zwar sind seine ersten Möbel für tecta von 1967 in den zeittypischen kräftigen Rot- und Orangetönen gehalten, dennoch zeigt sich darin bereits die Liebe zur Geometrie, zu klaren Formen und rechten Winkeln. Selbst die damals populären abgerundeten Ecken sind bei Maly nur sparsam vertreten, etwa beim Sessel "Trinom", der eigens für die Ausstellung restauriert wurde. "

Malys anfänge bescheren der Ausstellung ihre einzigen kräftigen Farbtupfer; seinen weiteren Weg bestimmen gedämpfte Farben und immer klarere Formen. Das lässt sich etwa an drei Vitrinen mit Modellen, Skizzen und Fotos nachvollziehen, die sich zu einem Zeitstrahl verbinden. Das Denken in Räumen und Zusammenhängen, die Kombination von Möbeln, Teppichen und Accessoires rührt aus seiner Zeit als Innenarchitekt. Zehn Jahre lang, von 1960 bis 1970, war Maly Redakteur bei "Schöner Wohnen", dann eröffnete er sein eigenes Büro. Nach einer Phase des Experimentierens mit Art Deco und Wiener Jugendstil in neuer Interpretation gelingt 1984 der Durchbruch mit drei Möbeln, die heute zu den Klassikern zählen, darunter das frei im Raum stehende "Maly-Bett", das mit seinen umsteckbaren Rückenlehnen und anmontierten Ablagen Abschied vom klassichen Schlafzimmer nimmt. Flexibles Wohnen kündigt sich an, auch mit dem Basissystem "duo" und dem Sessel "Zyklus".

Vor allem an "Zyklus" lässt sich die Entwicklung hin zu geometrischen Formen studieren. Es fing an mit einem Puppenhaussessel seiner Frau aus den dreißiger Jahren. "Wir haben für COR einen Messestand geplant und diesen Sessel mit seinen geschwungenen Lehnen lediglich als Maßstab hineingestellt. Aber er gefiel den Leuten von COR." Maly spielte, skizzierte, schlug Kreise - bis "Zyklus" fertig war..

Die Liebe zur Funktion hat Maly gegen den modischen Zeitgeist jener Jahre immun gemacht. Das wilde und hochgelobte Memphis-Design hat bei ihm kaum Spuren hinterlassen. "Produkte modisch zu machen, sie einem viel zu schnellen Rhythmus zu unterwerfen, ist verantwortungslos. Ziel meiner Arbeit ist es, Formen zu schaffen, die über längere Zeit Bestand haben können", so sein Leitsatz. Verfeinerung, Reduktion, Liebe zum Detailkennzeichnen die Arbeit Malys, ob er nun ein Kamingeschirr, Gartenmöbel oder einen Flügel für Sauter entwirft. Malys Möbel trumpfen nicht auf. Sie sprechen für sich. Rolf Brockschmidt

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