Kultur : Diesseits

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Das beste Schmerzmittel ist Sex, findet Peaches. „Fuck the Pain away“ steht in schnörkeliger Schreibschrift auf ihrem pinken Slip, den sie unter einem superknappen Minirock trägt. Aber Achtung: Sex mit Peaches ist gefährlich. Da gibt es kein Kuscheln und Knutschen, da wird nonstop geschrieen, und geschwitzt. Genau darauf steht das Publikum im total ausverkauften, dampfenden Columbiafritz. Jauchzend wird das erste Hüftkreiseln der kleinen Kanadierin mit der großen Spiegelsonnenbrille begrüßt. Und wie ein ergebener Liebhaber stöhnt die Halle das lang gezogene „All right“ vor dem Refrain von „Set it off“. Im Video zu diesem Song wird die Sängerin langsam von ihren Scham-, Kopf- und Achselhaaren überwuchert. Dafür, dass sie das auf der Bühne nicht so schön hinbekommt, entschuldigt sie sich – ihre Achseln sind nicht richtig rasiert. So ist Peaches gleichzeitig total sexy und antisexy.

Und selbstverständlich erkennt sie den Schwanz nicht als Männersache an: Das Mikrofon wird zum Phallus, Unterhosen mit eingebauten Plastikpenissen kommen zum Einsatz. Derart kostümiert fragen sich Peaches und Gastsängerin Mignon: „Are the Motherfuckers ready for the Fatherfuckers?“ Die Antwort ist ein klares „No!“

Dies ist eines der vielen neuen Stücke, die Peaches präsentiert. Wie auf ihrem Debüt „The Teaches of Peaches“ (kitty-yo) setzt die Wahlberlinerin wieder auf ihren wilden Elektro-Porno-Trash-Punk – mit Erweiterungen. So hat sie etwa einen schwer schleppenden Rapsong im Programm, der am Ende von einem bis zum Anschlag verzerrten Gitarrenriff zerfetzt wird. Die Energie- und Performanceleistung von Peaches und ihren Gästen ist unfassbar. Und das Zugabenprogramm der totale Wahnwitz: Peaches, Gonzales und Taylor Savvy prügeln sich durch drei instrumentale Superkracher in einen Vollrausch. Rock the Pain away! Nadine Lange

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