Dieter Hallervorden in "Sonny Boys" : Clowns im Clinch

Neil Simons bissige Komödie „Sonny Boys“ ist ein modern(d)er Boulevard-Klassiker. Am Berliner Schlosspark-Theater wird er nun zu einem Fest der Knallchargen - mit Dieter Hallervorden und Philipp Sonntag als (Anti-)Helden.

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Furiose Knallchargen. Dieter Hallervorden und Philipp Sonntag.
Furiose Knallchargen. Dieter Hallervorden und Philipp Sonntag.Foto: Der Dehmel

Sensible Gemüter fürchten die Clowns. Sie tun recht daran, Clowns sind böse. Besonders die alten, bitteren. „Wir haben dem Publikum 43 Jahre lang Witze erzählt“, bellt Phil seinen alten Bühnenpartner Didi an. „Aber ich glaube nicht, dass es dir auch nur einmal Spaß gemacht hat.“ Didi kräuselt angewidert sein Kautschukgesicht und blafft zurück: „Hätte ich Spaß haben wollen, hätte ich mir eine Eintrittskarte gekauft!“ Gelächter und Schenkelklopfen im Premierenpublikum. Dieser den heiligen Ernst der Unterhaltungsbranche in einer Pointe karikierende Schlagabtausch zweier abgehalfterter Komödianten ist ein sicherer, ein ewiger Lacher. Ob Samstagabend im Schlosspark-Theater oder vergangenes Jahr im Londoner Westend, wo Danny De Vito und Richard Griffiths als „Sonny Boys“ bejubelt wurden.

Neil Simons bissige Boulevard-Komödie, 1972 am New Yorker Broadway unter dem Titel „The Sunshine Boys“ uraufgeführt und 1975 mit Walter Matthau und George Burns verfilmt, ist ein das Showbusiness großartig glossierender Klassiker. Jedes olle Zirkuspferd, das auf sich hält, spielt irgendwann in der Pointenschleuder „Sonny Boys“ – wie Woody Allen, Johannes Heesters, Harald Juhnke, Dieter Hildebrandt. Oder wie Bernhard Minetti und Martin Held, die vor 40 Jahren – im Dezember 1973 – die Helden der deutschen Erstaufführung in Berlin-Steglitz waren. Eine solche Besetzung sei es wert, dass aus dem Schlosspark-Theater ein Boulevardtheater würde, notierte damals der sichtlich angetane Tagesspiegel-Kritiker Günther Grack.

Das ist das Haus unter der Intendanz von Dieter Hallervorden inzwischen alle Tage und so war es nur eine Frage der Zeit bis „Sonny Boys“ hier wieder auf die Bühne kommt. Er und Philipp Sonntag spielen allerdings nicht die früher unzertrennlichen und nun verfeindeten Vaudeville-Komiker Willy Clark und Al Lewis, die sich noch einmal zur Fernsehaufzeichnung ihres legendären Doktor-Sketches vereinen. Nein, sie spielen sich in der von Regisseur Thomas Schendel neu bearbeiteten Fassung quasi selber: Als struppiger, geschiedener Didi, der in einem ranzigen Berliner Hotelzimmer darauf wartet, dass ihm sein Neffe und Agent Ben (Tilmar Kuhn) mittwochs die „Comedy Press“ bringt. Und als pedantischer, verwitweter Phil, der, seit er Didi und dem Showgeschäft vor elf Jahren den Rücken kehrte, bei seiner Tochter in der Uckermark das Gnadenbrot verzehrt.

Zwei einsame, vertrottelte Knacker, deren Lebensfeuer prompt entflammt, als es anlässlich der Retrosendung Show und Lacher zu stehlen gilt. Nur dass es dem rührend tumben Toren Sonntag trotz stoischer Hush-Puppy-Physiognomie nicht gelingt, Hallervorden auch nur einen Punkt abzujagen. Dessen Didi trägt zwar Schlafanzug und einen wirren Haarkranz, ist aber in seiner gekränkten Eitelkeit und kindlichen Spiellust jederzeit König der Herzen. Die allerdings ergreift Schendels knapp zweieinhalbstündige Inszenierung, die nach der Pause merkwürdig verknappt zu Ende geht, gerade nicht. Da wären bei der Altherren-Reunion an Didis Krankenlager mehr Zwischentöne, da wäre mehr Sekunden-Sentiment drin gewesen. Trotzdem wird „Sonny Boys“ zum grandiosen Clinch der Knallchargen, inklusive reichlich Slapstick, Dialogwitz, Spaß. Vom Publikum begeistert beklatscht.

Wieder vom 26. bis 30. 12. und ab 7. 1.

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