Kultur : Dieter Stolte: Der Mann aus Mainz

Joachim Huber

"Das Fernsehen", hat Dieter Stolte bemerkt, "ist ein Kulturgut eigener Art." Stolte ist kein Wolkenkuckucksheimer, nicht jedes Fernsehen wird er meinen, aber ganz sicher das Zweite Deutsche Fernsehen, sein ZDF. Am 14. März 2002 wird Dieter Stolte den Fernsehsender über 20 Jahre als Intendant geführt und geformt haben. Bis zu seinem Abschied wird es kein zweites Vollprogramm gegeben haben, das den Kulturauftrag so ernsthaft und so prägend wahrgenommen hat.

Dieter Stolte ist ein Kulturmensch fern vom Bildungsprotz. Kultur, von Stolte als zivilisatorische Essenz begriffen, soll jeder noch so kleinen Beziehungs-Serie auch humane Dimensionen verleihen. Wo im ZDF-Krimi die Fäuste fliegen, folgen die werthaltigen Argumente, die der Rechtsordnung zum Sieg verhelfen, auf dem Fuße. Das mag penetrant klingen, leicht moralinsäuerlich schmecken, als weltfremd und gut menschelnd abschrecken. Manchen Kunst- und Kulturfunktionär hat solche Position, stocksteif und breitbeinig eingenommen, um Zuspruch und Publikum gebracht. Nicht so das ZDF in Stoltes Intendanz. Der Sender steht Monat für Monat auf dem Siegertreppchen.

Weil Stolte das ZDF in der Mitte, lebendig und wettbewerbsfähig hält. Der Kulturarbeiter im Gewande eines Programm-Intendanten ist mit dem gefinkelten Medienpolitiker in der Ausprägung eines Fernseh-Diplomaten kombiniert. Bestens vernetzt, hat Stolte für das ZDF bei den Ministerpräsidenten mehr als einmal das notwendige Gebührenplus herausgeholt, weitere Programme - Stichwort Theaterkanal - abgetrotzt. Kultur kostet Geld, und Fernsehen als Kulturgut kostet noch mehr Geld. Stolte hatte sich da einen schönen Hebel bereitgelegt. Wer ihm übel wollte, der wollte dem guten Gewissen des deutschen Fernsehens übel. Das aber wollte keiner.

Am 14. März 2002 hat Stolte seinen letzten Arbeitstag als ZDF-Intendant. Wenn Stolte kandidiert, läuft die für November geplante Wahl des nächsten Präsidenten des Goethe-Instituts auf ihn zu. Er sitzt im Beirat, aus dessen Mitte heraus wird der Präsident bestimmt. Hilmar Hoffmann, der noch amtierende Goethe-Chef, hat Dieter Stolte, dem noch amtierenden ZDF-Boss, seine Unterstützung avisiert. Da nicken sich Brüder im Geiste zu. Was beim ZDF geglückt ist, nämlich Massenmedium und Kulturanspruch zu versöhnen, muss beim Goethe-Institut nicht scheitern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar