Kultur : Dirk Sommer-Gedenkausstellung: Künstler für Künstler

Claudia Wahjudi

Um kurz vor Mitternacht hatte der Galerist Michael Wewerka als Auktionator im Haus am Kleistpark dem Publikum 12 800 Mark abgereizt: 800 Mark mehr, als nötig waren, um den Katalog und die CD-Rom zu finanzieren, die die dreiteilige Gedenkausstellung für Dirk Sommer dokumentieren. 79 Arbeiten hatten Künstler gespendet, unter ihnen Reinhard Kühl, Katharina Karrenberg, Walter Dahn oder Ute Weiss-Leder, die mit Dirk Sommer zusammengearbeitet hatten. Der Berliner Maler, der im Herbst 1999 überraschend im Alter von nur 51 Jahren gestorben war, hatte mit Produzentengalerien wie der Schöneberger Garage und den "dirty windows" im U-Bahnhof Kurfürstendamm fast zwanzig Jahre zur kulturellen Infrastruktur der Stadt beigetragen.

Eine Dia-Installation im Haus am Kleistpark erinnert an die Projekte. Hier bleiben auch alle Spenden während der Ausstellungsdauer hängen: Was am Auktionstag keinen Käufer fand, ist für Preise unter 700 Mark noch zu erwerben. Zwei Räume des Kunstamts Schöneberg sind jedoch den Arbeiten Sommers vorbehalten. Die präzise Auswahl gedenkt Sommer mit Readymades, Zeichnungen, Mischtechniken auf Papier und den großen Gemälden von Tieren und Pflanzen als jenem postmodernen Maler, der seine Laufbahn zwar zur Zeit der Neuen Wilden eingeschlagen, jedoch das Versprechen der Malerei nie wörtlich genommen hatte. Sommer nahm den Alltag und seine Bildkultur ernst - und bewahrte dabei stets Humor: Sein "Maler und Modell" aus dem Jahr 1992, das sind eine kleine Reklamefigur, in deren Brusttasche Pinsel stecken, und eine Postkarte mit einem Pin-up-Girl.

Von Sommers konzeptueller Freiheit zeugen auch die beiden anderen Teile der Ausstellung. Im Projektraum Neues Problem und der Galerie Weißer Elefant erinnern Arbeiten der Künstler, die mit "dirty windows" kooperierten, an diese Zusammenarbeit: Josephine Riemann hat ihre getragenen Schuhe zu kleinen Booten mit Batterieantrieb umfunktioniert, Luftballons von Signe Theill kündigen eine Fusion zwischen Aldi und dem Arbeitsamt an. Zellophantütchen mit elektrischen Widerständen, vergoldete Seiten eines Kindermalbuchs - Ironie und Interesse am Banalen zeichnen dieses Sammelsurium aus. Fünf Volltreffer in Sachen Aktionskunst schließlich landete das Duo "paint the town red", das posthum eine von Sommers Ideen verwirklichte: Zum Auftakt der Ausstellung knobelten Künstler und Künstlerinnen um die Teilnahme in den Mannschaften "Präsidenten" und "Revolutionäre". In Masken und T-Shirts, die die Namen von Bill Clinton und D. D. Eisenhower, von Fidel Castro und Lenin trugen, ging es dann zum Match auf den Fußballplatz. Zum Bedauern aller gewannen die Präsidenten vier zu eins.

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