Kultur : Dissonanzen um Kriegsbilder: Chemnitz versenkt Buchheim-Ausstellung

Christian Schröder

Die umstrittene Ausstellung der Kriegsbilder von Lothar-Günther Buchheim in Chemnitz findet nicht statt. Der Direktor des Chemnitzer Schlossbergmuseums, Thomas Schuler, gab gestern die Absage der für den 21. Januar geplanten Ausstellung bekannt und begründete sie mit "Dissonanzen bei der Gestaltung der Ausstellungs- und Katalogtexte". Buchheim habe kurz vor der Drucklegung des Katalogs die Hälfte der Texte zurückgezogen, darunter "fast alle Passagen, in denen der Krieg kritisch reflektiert wird". Dieser Schritt sei für das Museum "völlig unakzeptabel", da es für die Besucher ohne die Texte nicht mehr möglich gewesen wäre "Distanz zu den Bildern zu bekommen". Außerdem habe Buchheim finanzielle Forderungen gestellt. Die Ausstellung hätte zum ersten Mal in geschlossener Form fast achtzig Aquarelle, Zeichnungen und Skizzen gezeigt, die Buchheim zwischen 1941 und 1944 als Kriegsberichterstatter in Frankreich geschaffen hatte. Flankiert werden sollten diese Bilder mit Texten aus Buchheims Romanen "Das Boot", "Die Festung" und "Der Abschied", in denen er seine Erlebnisse im U-Boot-Krieg schilderte.

Für Wirbel hatte die Ausstellung bereits im Vorfeld gesorgt. Erst am Sonntag hatte das ARD-Kulturmagazin "Titel Thesen Temperamente" Buchheims Bildern attestiert, sie seien "kriegsverherrlichend". Der Vorwurf richtete sich vor allem gegen die so genannten "Kommandantenbilder", sieben großformatige Ölkreide-Porträts, die U-Boot-Kapitäne im Ausguck ihrer Boote zeigen. Sie waren in der NS-Zeit in der "Großen Deutschen Kunstausstellung" im Münchener "Haus der Deutschen Kunst" präsentiert worden und hatten auch bei Propagandaminister Goebbels Gefallen gefunden. Doch der Großteil der Kriegsbilder des heute 83-jährigen Buchheim ist weit weniger brisant.

Buchheim hatte sich immer wieder vehement gegen den Vorwurf gewehrt, Propagandakünstler gewesen zu sein. "Zwar war ich nicht im Widerstand, aber meine Arbeiten waren widerständisch", erklärte er wiederholt. "Ich war Kriegsmaler und wollte keine Nazi-Bilder malen". Die Absage sei eine "atemraubende Schändlichkeit", die er von seiner Heimatstadt Chemnitz erfahre, sagte der Maler und kündigte an seine Ehrenbürgerwürde zurückzugeben:"Die Urkunde schicke ich per Post." Gleichzeitig wies er die Absagebegründung als "verlogen" zurück.

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