DNA-Analyse : Schiller-Schädel gehört gar nicht dem Dichter

180 Jahre lang galt der Schädel im Sarg des großen Dichters als echt - doch eine Untersuchung der DNA kommt nun zu einem anderen Ergebnis. Historiker vermuten, dass das Original vermutlich von Schädeljägern gestohlen wurde.

Schiller
Die Totenmaske Friedrich Schillers im Schillermuseum in Weimar. -Foto: dpa

Weimar/HamburgDer Totenschädel im Sarg von Friedrich Schiller gehört nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern gar nicht dem großen Dichter. Die DNA vom Schädel aus dem Sarkophag in der Weimarer Fürstengruft stimme weder in der weiblichen noch in der männlichen Linie der Schiller-Familie mit den Vergleichspersonen überein, erklärte der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), der die Untersuchung zusammen mit der Klassik Stiftung Weimar in Auftrag gegeben hatte, am Samstag. Bislang seien zwei Schädel in der Fürstengruft dem Dichter zugeschrieben worden: Jener  im Sarkophag von 1826 sowie der so genannte Froriep-Schädel von 1911, bei dem es sich ebenfalls nicht um den echten Totenschädel  Schillers handele.

Der Schädel aus dem Sarkophag wurde wegen seiner großen Ähnlichkeit mit Totenmaske und Porträts des Dichters 180 Jahre lang für echt gehalten, wie der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe berichtete. Nach dem Ergebnis der DNA-Analysen in der Fürstengruft sagte die Freiburger Anthropologin Ursula Wittwer-Backofen, die bei den Untersuchungen mitwirkte, dem Hamburger Magazin: "Ein so exakter Doppelgänger kann nicht zufällig in den Sarg gekommen sein." Der ebenfalls an den Untersuchungen beteiligte Historiker Ralf Jahn vermutet demnach, Schillers Kopf sei vermutlich schon im 19. Jahrhundert von einem Schädeljäger gestohlen und durch einen sehr ähnlichen ersetzt worden. (jam/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar