Documenta : Votum für die Powerfrau

Nun ist sie es doch geworden. Nachdem die Entscheidung der Berufungskommission bereits am Vortag durchgesickert war, stellte sich auch der Documenta Aufsichtsrat nicht mehr gegen diese Wahl: Die amerikanische Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev wird 2012 die 13. Weltausstellung zeitgenössischer Kunst leiten.

Nicola Kuhn

In einer Pressekonferenz im Kasseler Fridericianum wurde die neue Chefin gestern offiziell vorgestellt. Die derzeitige Chefin des Turiner Ausstellungshauses Castello di Rivoli, die in diesem Jahr die Biennale in Sydney kuratiert hat und 2001 Jurymitglied der Biennale di Venezia war, präsentierte sich sogleich von ihrer pragmatischen Seite: „Sie sind hier, um Details herauszufinden“, sagte sie den Journalisten mit strahlendem Lächeln. „Ich bin hier, um Ihnen das nicht zu sagen.“

Die 51-jährige Kunsthistorikerin, die in ihren Ausstellungen gerne ältere Werke mit Zeitgenössischem kombiniert, übernimmt nach Catherine David als zweite Frau die Leitung der international wichtigsten Ausstellung aktueller Kunst, die alle fünf Jahre stattfindet. Wie Carolyn Christov-Bakargiev nach den positionsstarken letzten drei Documentas (von David, Okwui Enwezor und Roger Buergel) die 100-Tage-Ausstellung prägen wird, erfährt man erst im Sommer 2012. Wie ihr Vorgänger Buergel bezeichnet auch sie die Künstler als die Hauptpersonen der Documenta. „Ich bin nur die Kuratorin, eine Stimme von vielen“, erklärte sie jetzt. Bis zur Eröffnung besitzt diese Stimme jedoch das stärkste Gewicht. Buer gel war es zwar gelungen, im Vorfeld zu überzeugen; seine Documenta hielt die Versprechungen allerdings nicht. Dennoch endete auch seine Ausstellung mit der Rekordzahl von 754 000 Besuchern. Anders als Buergel hat seine Nachfolgerin Erfahrungen mit Großausstellungen. Die Berufungskommission hat offenbar aus ihren Fehlern gelernt.

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