Dokumentarfilm : Frontfrauen

Ein bewegender Dokumentarfilm zeigt Polinnen im Widerstand gegen die deutschen Besatzer. Der Regisseur Paul Meyer zieht ein ein bitteres Fazit über die Courage der kämpfenden Frauen.

Kerstin Decker
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Kämpferisch: Junge Frauen in Uniform. -Foto: Tsp

Wir haben es vergessen oder nie wirklich wahrgenommen. Selbst Roman Herzog soll dem polnischen Staatspräsidenten zum 50. Jahrestag des falschen Aufstands kondoliert haben. Es gab nicht nur den Aufstand des Warschauer Ghettos, es gab über ein Jahr später auch den Warschauer Aufstand der „Armia Krajowa“, der polnischen Untergrundarmee. Die Polen wollten sich nicht von den Russen befreien lassen, sie wollten ihnen als Selbstbefreier entgegengehen. Konnten sie ahnen, dass die Rote Armee auf der anderen Weichselseite einfach stehen bleibt? Konnten sie ahnen, dass die polnische Exilregierung in London längst störte? Die „Armia Krajowa“ war nicht zuletzt eine Armee der Frauen. Der Aufstand begann am 1. August 1944. Zwei Monate später war er verloren. Er forderte 200 000 Tote.

Unser Kampf war sinnlos, lautet das wohl bitterste Fazit in Paul Meyers Film, der aus Gesprächen mit vielen alten Frauen besteht. Fast alle haben diese charaktervollen, schönen Altersgesichter und eine sehr formbewusste Art zu sprechen. Dazwischen sehen wir Dokumentaraufnahmen junger Mädchen in Uniform, denen jede männliche Anmutung fehlt. Bis auf ihren großen Mut, der sie zu Spioninnen, Bombenlegerinnen, Soldatinnen machte – aber ist Mut männlich?

Die Aufnahmen entstanden in einem Lager, das bis dahin kein Vorbild hatte. Laut Genfer Konvention waren Frontfrauen wie männliche Soldaten zu behandeln. Ende 1944 wurde zum ersten Mal ein Kriegsgefangenenlager nur für Frauen eingerichtet, 1728 Polinnen waren nach dem Ende des Aufstandes in Oberlangen, Emsland, interniert. Sie halten Verbindung zueinander bis heute. Meyer hat in eindringlichen Gesprächen und mit seltenen Filmaufnahmen, auch aus dem noch unzerstörten Warschau, ein Stück Widerstandsgeschichte rekonstruiert, das nicht ohne Bitterkeit zu denken ist, weil sein Misserfolg wohl von vornherein kalkuliert war. Die Alliierten hatten Polens Anspruch auf eine selbstbestimmte Nachkriegswirklichkeit ihren Übereinkünften geopfert.

Am 25. November soll in Krakau der frühere Präsident der polnischen Exilregierung, Sikorski, exhumiert werden. Nach mehreren Beinahe-Flugzeugabstürzen überlebte er den letzten nicht – bei Gibraltar 1943.

Im Berliner Kino Krokodil.

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