Kultur : Dokumentarfilmer Richard Leacock gestorben

Der Dokumentarfilmer Richard Leacock ist tot. Er starb, wie jetzt bekannt wurde, am Mittwoch mit 89 Jahren in Paris. Berühmt geworden war er in den sechziger Jahren, als er das Genre von seinen Fesseln befreite. Zusammen mit Kollegen wie D.A. Pennebaker und Robert Drew – mit denen er eine Produktionsfirma gründete – gehörte er zu den Pionieren des direct cinema. Leacock inszenierte seine Filme nicht mehr nach einem sorgfältig vorbereiteten Drehbuch, sondern ging mit der Kamera direkt in die Szenen hinein. In Frankreich wurde sein Stil als cinema vérité, als Kino der Wahrheit gefeiert. Ein frühes Meisterwerk war der Fernsehfilm „Primary“, für den Leacock die demokratischen Bewerber John F. Kennedy und Hubert Humphrey 1960 bei einer Vorwahl begleitete und dabei bis in Hotel-Suiten und Waschräume vordrang. Voraussetzung für das Direct Cinema war eine technische Innovation, die Konstruktion einer Handkamera, mit der ununterbrochen Bilder und Ton aufgenommen werden konnten. Leacock, 1921 in London geboren, war auf einer kanarischen Bananenplantage aufgewachsen, diente im Zweiten Weltkrieg als Armeefotograf und drehte 1946 als Kameramann von Robert Flaherty den Dokumentarfilm „Louisiana Story“. Er lebte seit 1988 in Paris und schuf für das deutsche Fernsehen Filme wie „Lulu in Berlin“. chs

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