Dokumentation : Kampfes Bruder

Der Dokumentarfilm "Sing your Song" porträtiert den Sänger, Schauspieler und Politaktivisten Harry Belafonte. Ein Treffen mit dem Berlinale-Ehrengast.

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Harry Belafonte
Harry BelafonteFoto: dpa

Draußen tanzen Schneeflocken durch den Morgen, im Foyer des Adlon Hotels plätschern Hintergrundmusik und ein Springbrunnen. Hinten rechts sitzt Harry Belafonte, neben ihm lehnt ein Stock und vor ihm liegt die aktuelle Ausgabe des Tagesspiegel mit einer Geschichte über sein Konzert im Palast der Republik 1983. „Ich werde es nie vergessen,“ sagt der Sänger und Schauspieler mit seiner leicht rauen Stimme „Es war der Tag der amerikanischen Invasion in Granada. Auf der Pressekonferenz fragte ein Reporter danach – und ich wusste noch nichts, weil es gerade erst passiert war.“ Die DDR-Führung hatte lange versucht, ihn nach Ost-Berlin einzuladen. Seine Bedingung: Udo Lindenberg singt auch. „Das war ein Schock für die Offiziellen. Aber ich wollte ihn mitnehmen, weil meine Absichten und meine Agenda so gut zum Ausdruck kommen würden. Ich spreche kein Deutsch, aber Udo hatte diesen tollen Song über Honecker. Das war ein perfektes Statement.“ Auch an den ersten Auftritt in Berlin 1957 erinnert sich der 83-Jährige gut. „Ich hatte Vorurteile über die Deutschen. Doch als ich anfing zu singen und die Leute sangen mit mir, fühlte ich etwas wie Großherzigkeit. Das hat meine Wahrnehmung von Deutschland verändert.“ Vor Kurzem hat er eine neue Facette des Landes kennen gelernt. Er hörte in Los Angeles im Backstage-Bereich eines Theaters einige Schwarze mit Akzent Englisch sprechen. „Ich fand, es klang europäisch, und fragte sie. Sie sagten, sie seien Afro-Deutsche. Wir kamen ins Gespräch, und ich verstand, dass sie etwas ganz Neues repräsentieren, weil sie einen völlig anderen Hintergrund haben.“ Weil die Mitglieder des antirassistischen HipHop-Projekts Brothers Keepers ihn inspiriert haben, kommen sie in seinem nächsten Film vor. „Es geht darum, dass die meisten Leute in der sogenannten freien Welt gar nicht frei sind – nicht nur Schwarze, auch Frauen und andere.“ Vielleicht wird der Film ja bis zur nächsten Berlinale fertig.

Am Sonntagabend, zur Aufführung der Dokumentation „Sing Your Song“, wurde Belafonte im Friedrichstadtpalast geehrt: mit einer Berlinale-Kamera. Auch Udo Lindenberg war gekommen. Nadine Lange

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