Kultur : DOKUMENTATION

Kurz davor ist es passiert

Christiane Peitz

Eine Prostituierte. Eine Haushaltssklavin. Eine misshandelte Ehefrau. Ein Zöllner. Eine Konsulin. Ein Bodellbesitzer. Ausgebeutete und Ausbeuter: Die Dokumentaristin Anja Salomonowitz verschränkt auf irritierend erhellende Weise Schicksale, Schauplätze (Grenzübergang, Villa, Bordell) und Identitäten, wenn sie vermeintlich Unbeteiligte die Berichte von Opfern in die Kamera sprechen lässt: von Frauen, die verkauft und gequält wurden. Die Frauen selbst sieht man nie. Man hört nur, was sie zu Protokoll gaben, aus dem Mund derer, die von ihnen profitieren könnten. Fünf Episoden über die Parallelwelt des Frauenhandels, fünf unheimliche Wahrheiten. Und die Bilder im Kopf schieben sich übereinander: zu streng komponierten, beredten Stillleben vom Leid, das Menschen einander zufügen können. Christiane Peitz

„Kurz davor ist es passiert“, Ö 2006, 72 Min., R: Anja Salomonowitz, D: Rainer Halbauer, Otto Pikal, Anna Sparer

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