Kultur : Donner & Witz

Manfred Honeck und das DSO fordern zum Tanz auf

Frederik Hanssen

Können Sie eigentlich Polka tanzen? Jenen Modetanz, der tatsächlich aus dem Tschechischen und nicht aus dem Polnischen stammt, und der, von Paris aus, ab 1840 zum europäischen Modetanz schlechthin wurde? Zugegeben, zumindest für Großstädter hat der 2/4-Takter inzwischen eher exotischen Reiz. Und so staunte mancher nicht schlecht, als das Deutsche Symphonie-Orchester bei seinem ersten Auftritt im Jahr 2004 am Mittwoch gleich eine ganze Polka-Parade präsentierte: Von Josef Strauß’ leichtfüßig schreitender Polka-Mazurka „Die Libelle“ über die etwas belebtere polca française seines Bruders Johann, „Im Krapfenwaldl“ (mit heiserem Kuckuck), und dessen klassisch flotte „Bauern“-Polka (mit singendem Orchester) bis zur rasanten Schnellpolka „Auf der Jagd“ (mit Schusswaffengebrauch).

Was die Musiker mit ihrem Gastdirigenten Manfred Honeck an instrumentaler Tanzlust entfesselten, glich fast einem nachgezogenen Silvesterkonzert. Doch das DSO wäre nicht das DSO, wenn die künstlerische Leitung sich nicht auch für diesen bestens besuchten Abend in der Philharmonie eine jener verwirrend-wuchtigen Werkzusammenstellungen ausgedacht hätte, die in jüngster Zeit zum Markenzeichen des Orchesters geworden sind. Zum Start gab’s Beethovens hochdramatische „Coriolan“-Ouvertüre, von Honeck mit präziser Kapellmeisterkunst unter Starkstrom gesetzt. Dann folgte Schostakowitschs Konzert für Klavier, Trompete und Orchester, zur Begeisterung des Publikums von Elena Bashkirova und Falk Maertens mit verbissenem Ernst gespielt.

Fortissimo-Fröhlichkeit durfte erst nach der Pause aufkommen: Mit besagten Gimmick-Polkas, zwei Walzer-Klassikern und einer wunderbar eleganten „Fledermaus“-Ouvertüre voll feiner Tempo-Details und rhythmischer Raffinessen. An solchen Abenden reiften gute Vorsätze heran: 2004 öfter mal tanzen gehen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar