Kultur : Doppelhelix für den guten Stern

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Imagepflege wird bei den weltweit operierenden Automobilkonzernen in der Heimat derzeit ganz groß geschrieben. Erst kürzlich hatte BMW die Pläne für sein neues Münchner Erlebnis- und Auslieferungszentrum in der Galerie Aedes vorgestellt, während die Autostadt von Volkswagen bereits seit zwei Jahren fleißig am Image der zahlreichen Wolfsburger Automarken feilt. Nun also fällt auch Mercedes-Benz in jenen Kanon der automobilen Markenpräsentation ein, der in den Ohren der zahlungskräftigen Kundschaft klingen soll. Doch die Planungen von Daimler Chrysler für ein etwa 15 000 Quadratmeter großes Gelände in Stuttgart zwischen Gottlieb-Daimler-Stadion, Werk Untertürkheim und Neckar unterscheiden sich von denen der Konkurrenz - zumindest ein bisschen. Denn auf ein großes Auslieferungs-Center, wie man es bei VW besitzt und bei BMW plant, will man verzichten. Stattdessen ist das Kernstück der Planungen das neue Mercedes-Benz Museum, ein 60 Millionen-Euro-Projekt, da der Altbau nicht mehr über die nötigen Kapazitäten verfügt.

In der Halle des Daimler-Chrysler-Gebäudes am Potsdamer Platz gibt die Galerie Aedes nun auf ungewohntem Terrain ein Gastspiel und stellt die Ergebnisse des internationalen Architekturwettbewerbs für das Projekt vor, der Anfang 2002 entschieden wurde. Eingeladen waren zehn international renommierte Büros, darunter Hans Kollhoff aus Berlin und das New Yorker Büro Asymptote, die aber beide ohne Auszeichnungen blieben.

Sieger wurden Ben van Berkel und Caroline Bos mit ihrem Büro UN Studio, das sich in der innovativen Architekturszene der Niederlande mit seinen ausdruckstarken skulpturalen Entwürfen längst einen guten n gemacht hat. Der Entwurf von UN Studio für das dreigeschossige Museum erweist sich als eine höchst komplexe Raumskulptur. Nach außen hin zeigt sie tiefe Einkerbungen und Lufträume, während sich im Inneren die unterschiedlichen Ausstellungsebenen durchdringen, so dass eine annähernd kleeblattförmige Gebäudestruktur entsteht. Start des Museumsrundgangs wird künftig in der obersten Ebene sein. Dorthin gelangen die Besucher über die Fahrstühle im zentralen Lichthof, der sich über alle Geschosse erstreckt. Über zwei spiralförmige Rampen, die - gegeneinander versetzt - nach unten führen, durchwandern die Besucher dann die Welt von Mercedes-Benz. Dank der versetzten Anordnung der beiden Spiralen entsteht eine Art Doppelhelix, auf der jeweils unterschiedliche Themen präsentiert werden: Während auf der einen Spirale die Automobile von Mercedes Benz - untergliedert nach historischen Epochen - im Vordergrund stehen, werden auf dem zweiten Museumsweg Mythos und Image der Nobelmarke thematisiert. Querverbindungen sollen den Besuchern jedoch die Möglichkeit geben, zwischen beiden Ausstellungsbereichen zu pendeln. Insgesamt gehen die Planer davon aus, dass ein Museumsrundgang etwa 1,5 Stunden in Anspruch nimmt. Die Doppelgesichtigkeit des Museums soll auch nach außen hin durch die beiden unterschiedlichen Fassadenmaterialen Glas und Stahl ablesbar werden. Der Baubeginn ist für 2003 geplant, die Fertigstellung für 2005. Jürgen Tietz

Daimler Chrysler Services Atrium. Eichhornstraße 3, bis 30. Juli. Katalog 10 Euro.

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