DOPPELPACK Messiaens „Turangalîla“-Sinfonie : Lob des Kosmos

Christine Lemke-Matwey

Ein Machwerk, klingende Mystik, ein Kosmos für sich: Die „Turangalîla“-Sinfonie von Olivier Messiaen ist eines der wenigen Werke neuer Musik, die sich – trotz aufwändigster Besetzung und ausufernden 80 Minuten – verlässlich im Konzertsaal halten. Komponiert zwischen 1946 und 1948 (als Auftrag des Boston Symphony Orchestra respektive seines Leiters Sergei Kussewizki) markiert sie in Messiaens Œuvre das Herzstück seiner „Tristan“-Trilogie, steht somit zwischen „Harawi“ für Sopran und Klavier (1945) und den „Cinq rechants“ für zwölf Solostimmen (1949). Der Name Turangalîla kommt aus dem Sanskrit und bezeichnet ein bestimmtes rhythmisches Muster. Dass Messiaen dieses am Ende gar nicht verwendet, spricht für die Freizügigkeit der zehnteiligen Partitur. Gleichwohl werden die Begriffe „turanga“ (= Tempo) und „lîla“ (= Vitalität, Dynamik) musikalisch reflektiert.

Die Uraufführung fand am 2. Dezember 1949 in Boston unter Leonard Bernstein statt, der für den erkrankten Kussewizki einsprang. Die deutsche Erstaufführung leitete zwei Jahre später Hans Rosbaud. „Ein Mensch, der betet, betet mit seiner Seele, seinem Geschlecht und seinem Gehirn“, so lautet Messiaens ganzheitliches Credo, und diesem folgt auch seine Musik: bald krass, bald sentimental, mal hoch virtuos, mal ganz naiv – und immer gläubig. Man darf gespannt sein, wenn sich in Berlin nun im Abstand von zwei Tagen Zubin Mehta mit der Staatskapelle (Foto) und Ingo Metzmacher mit dem DSO in Sachen „Turangalîla“-Sinfonie ein Stelldichein geben. Christine Lemke-Matwey

Philharmonie, Fr 4.1., 20 Uhr: Zubin Mehta, Staatskapelle Berlin; Philharmonie, So 6.1., 20 Uhr: Ingo Metzmacher, DSO

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