Kultur : Doppelt gemoppelt

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ALL THAT JAZZ

Chistian Broecking über

Zwistigkeiten im Vorfeld des JazzFests

Aus Protest gegen den Ausspruch, „wenn ich Kühe sehe, könnte ich kotzen“, nannte die Band Ilse Lau eine ihrer Platten nach einer holländischen Kuh, „Cie. De Koe“. Im Doppelprogramm mit der Band Monno , die improvisierte Musik mit Laptop, ESaxofon, E-Bass und Schlagzeug spielt und ihre neue CD „Candle Light Technology“ nennt, spielt Ilse Lau am Freitag im Ausland (Lychener Str. 60, Prenzlauer Berg, 22 Uhr). Im Ausland gab es in jüngster Zeit das Japanese New Music Festival, das auch ein Vor-, Begleit- oder gar Haupt-Act zum Schwerpunktthema des diesjährigen Berliner JazzFests hätte sein können, aber nicht war. Auch von der am 3. November in der Montagsreihe im Uebereck (Sonntagstr. 31, Friedrichshain, 21 Uhr) auftretenden Pianistin Aki Takase , die die besten Musiker in Berlin und Tokio kennt, war nicht die Rede, als der neue künstlerische JazzFest-Leiter Peter Schulze seinen diesjährigen Ko-Kuratoren Jun Miyake erwähnte. Er sei ein „interessanter“ Komponist und Musiker, war zu erfahren, nur anwesend war er auf der JazzFest-Pressekonferenz nicht.

Der Herbst ist die große Jahreszeit des Jazz. Vor zwei Wochen Frankfurt, letzte Woche Leipzig, heute Warschau und in der ersten Novemberwoche Berlin – der Festivalzirkus läuft auf vollen Touren. Und der bereichert das lokale Angebot in diesen Wochen ungemein, denn auch wer, wie der Miles-Davis-Tutu-Creator Marcus Miller , keinen Platz im offiziellen JazzFest-Programm fand, nimmt sich Zeit für Berlin. Am Samstag und Sonntag spielt Miller im Quasimodo (22 Uhr). Dass es auf der JazzFest-Pressekonferenz zum Schlagabtausch zwischen JazzFest und Total Music Meeting (TMM) kam, war schon peinlich genug. Klar, dass das TMM in diesem Jahr keine Unterstützung vom Kultursenat bekommt, ist ein Skandal. Und dass das JazzFest in seinem Programmheft auch das Programm des parallel im Podewil laufenden TMM abgedruckt hat, kann fast schon als Akt der Solidarität gewertet werden, mehr ist offenbar nicht drin in diesen Zeiten. Doch diese eisige Kälte, mit der sich die Vertreter der beiden Festivals verbal und gestisch gegenüberstehen, sie ist nicht mehr zu ertragen und auch nicht vermittelbar.

Noch peinlicher ist allerdings, was nun auch während der Pressekonferenz zur Sprache kam: dass ein aus lokalen Jazz-Experten zusammengesetzter Beirat dem zuständigen Referat beim Kultursenat empfahl, das TMM nicht zu fördern. Man kann nur hoffen, dass sich für das TMM möglichst bald eine Förderungsmöglichkeit findet, die dem dieser Stadt gut stehenden Festival wieder ein Minimum an Planungssicherheit ermöglicht. Vom TMM 2002 ist gerade eine Live-CD erschienen (a/I/I 006), auf der auch ein Track von Doppelmoppel zu hören ist. Das Posaunen- und Gitarrendoppel-Quartett mit Conny Bauer tritt am Freitag im Kulturhaus Peter Edel auf (Berliner Alee 125, Weißensee, 21 Uhr).

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