Kultur : Doppelt rund

Frederik Hanssen gratuliert der Deutschen Oper Berlin zum Geburtstag

Eigentlich ein schöner Anlass zum Feiern: Vor 50 Jahren, am 24. September 1961, wurde die Deutsche Oper mit einer „Don Giovanni“-Neuinszenierung eingeweiht, dirigiert von Ferenc Fricsay. Am heutigen Freitag wird im Foyer des Hauses eine frisch erschienene DVD-Aufzeichnung der Produktion mit Dietrich Fischer-Dieskau, Elisabeth Grümmer, Pilar Lorengar und Walter Berry in den Hauptrollen gezeigt. Zum Jubiläum selber allerdings wünscht man sich an der Bismarckstraße ausdrücklich keine publizistischen Geburtstagsgrüße, will sich partout nicht hochleben lassen. Schließlich stehe der richtig runde Geburtstag im kommenden Jahr an: Dann wird die Institution 100 Jahre alt.

Wie das geht? 1912, als Charlottenburg noch eine autonome Nachbarstadt von Berlin war, schenkten sich die kulturinteressierten (und vermögenden) Einwohner ein eigenes Opernhaus. Ein machtvoll auftrumpfendes, repräsentatives Gebäude, gedacht als Gegenstück zum königlichen Hoftheater Unter den Linden. Ein Stein gewordener Ausdruck bürgerlichen Selbstbewusstseins.

Im November 1943 fiel das Theater in Schutt und Asche. Das an selber Stelle errichtete Nachkriegsgebäude des Architekten Fritz Bornemann hat optisch nichts mit dem ursprünglichen Bau gemein – den Geist einer „Oper für alle“ aber wollte man sich hier stets erhalten. Darum also die Fokussierung der Feierlichkeiten auf das Jahr 2012.

Die natürlich auch mit dem Amtsantritt von Dietmar Schwarz zu tun hat. Nach dem Abgang von Kirsten Harms wird das Haus in dieser Saison kommissarisch aus der zweiten Reihe heraus geleitet, bevor der neue Intendant im kommenden Herbst aus Basel nach Berlin wechselt. Da macht sich ein Jubiläum zum Start natürlich nicht schlecht.

Überhaupt ist die Ausgangssituation für Dietmar Schwarz ideal: Was die Publikumsbereiche des Hauses betrifft, findet er ein gepflegtes, aufgeräumtes Ambiente vor. Denn Kirsten Harms hat die Foyers originalgetreu zurückgebaut, liebevoll am Lichtkonzept gefeilt, die Bewirtungssituation entschieden verbessert, ja, mit dem Götz-Friedrich-Platz und seinen Wasserspielen sogar einen neuen urbanen Treffpunkt für den Charlottenburger Kulturkiez geschaffen. Künstlerisch dagegen kann der künftige Intendant ganz frisch durchstarten. Aus der Ära seiner Vorgängerin gibt es kaum bewahrenswerte Inszenierungen.

Für die Zukunft der Deutschen Oper sehen wir also – Schwarz. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch!

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