Kultur : Drache auf Plastik

Zero-Grafik zu Einsteigerpreisen im Berliner Auktionshaus Ketterer

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Mit Metallobjekten und kinetischen Skulpturen, mit Rauch- und Nagelbildern oder Aluminiumstelen stellte sich Zero ab Mitte der fünfziger Jahre gegen das herrschende Informel und damit gegen die radierten Ausdrucksformen von Malerei und Bildhauerei. Noch im dunklen Rußfleck wollte Otto Piene das ‚reine Licht’ als Farbe und Bewegung erkennbar machen. Da weder Galerien noch Museen den Utopismus und die technikverliebten Experimente honorierten, organisierte Piene ab 1957 mit Heinz Mack im Düsseldorfer Atelier regelmäßige Ausstellungen mit eigener Kunst und der von Gleichgesinnten. 1961 trat Günther Uecker der Gruppe bei.

Ab 1966 ging man getrennte Wege, und insbesondere bei Piene und Mack wich das Utopische der Pionierzeit einer gewissen Dekorativität. Es wurde still um Zero. In jüngster Zeit jedoch rückt die erste deutsche Avantgardebewegung, die der europäischen Nachkriegskunst neue Impulse verlieh, in den Fokus der internationalen Rezeption und verbucht, spätestens seit im Februar dieses Jahres in London ein Teil der Sammlung Lenz Schönberg versteigert wurde, beachtliche Erfolge auf dem Kunstmarkt. Anlass für das Münchener Auktionshaus Ketterer, in seiner Berliner Dependance Druckgrafik der Protagonisten Piene, Mack und Uecker – flankiert von Rupprecht Geiger und Gotthard Graubner – zu präsentieren. Nicht zuletzt, um auch jüngere Käuferschichten anzulocken.

So spektakulär wie die gemeinsamen Lichträume des Zero-Dreigestirns oder Macks 1968 in der Sahara realisierte Land Art mit Aluminiumskulpturen sind die Druckgrafiken naturgemäß nicht. Doch Macks metallische Farbserigrafien, Pienes „Verbrennung“ oder sein „Roter Stern“ auf tiefschwarzem Fond vermitteln durchaus etwas von der Suche nach einer lichten Transzendenz.

Mit 390 Euro für Günther Ueckers Selbstporträt als „Drache“ auf PVC bis zu maximal 2080 Euro für seine Lithografie „Welle“ von 1965, die den Seegang anhand winziger Nägel im Reliefdruck suggeriert, bieten die Grafiken eben echte Einsteigerpreise. „Zero ist die Stille. Zero ist der Anfang. Zero ist rund. Zero dreht sich“, hieß es im 3. Manifest. Von dieser Stille bis zum imaginären Vibrieren der Rotoren, Strukturen oder Farbe bietet die Ausstellung einen respektablen Einblick.

Ein monochrom weißes Relief ohne Titel, mit dem Uecker 1972 die seriell angeordneten Punkte seiner „Reihung“ von 1959 aufgegriffen hat, trifft auf Macks schwarz-weiße „Raster“ und die puren Farbvisionen von Piene, Geiger oder Graubner. Letztere zählten zwar nicht zum engen Zero-Kreis, doch waren Geiger und Graubner im April 1958 an der 7. Abendausstellung beteiligt, die die offizielle Gründung von Zero markierte und deren Künstlerliste sich heute wie das Who’s who der europäischen Nachkriegsavantgarde ausnimmt. Mit Rupprecht Geigers „Sieben“, dessen drei Rechtecke um 1960 das zeitlebens bevorzugte Rot mit Gelb und Violett feiert, und Otto Pienes orange-gelbem „Farbverlauf“ (1971/90) zeigt die Ausstellung Parallelen in puncto Virtuosität des Lichts. Etwas schwer hat es daneben Graubners kontemplative Farbigkeit. Dafür gibt es zwei seiner Originale jeweils unter 2000 Euro.

Ketterer Kunst, Fasanenstr. 70; bis 7.10., Mo–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–16 Uhr.

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