Dreharbeiten zu "Captive" : Chaos im Busch

Auf der Pressekonferenz berichteten Isabelle Huppert und Brillante Mendoza von den aufregenden Dreharbeiten im philippinischen Dschungel.

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Extrem. Isabelle Huppert erzählt in Berlin von den „Captive“-Dreharbeiten.
Extrem. Isabelle Huppert erzählt in Berlin von den „Captive“-Dreharbeiten.Foto: dapd

„Sind die echt?“ Nach den ersten Drehtagen wollte Isabelle Huppert es genau wissen, sicher ist sicher. Denn die Filmterroristen  seien wirklich bedrohlich gewesen. „Captive“-Regisseur Brillante Mendoza hatte volles Verständnis für die Frage, konnte den Star aber beruhigen: Nur Profi- und Laienschauspieler im „Captive“-Team, niemand von Abu Sayyaf.

Eine symptomatische Frage – und ein sicheres Indiz, dass es dem Regisseur bei den Dreharbeiten tatsächlich gelungen ist, „die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu verwischen“, wie Isabelle Huppert auf der „Captive“-Pressekonferenz am Sonntag sagte. Auf dem Podium konnten sie und ihre Kollegen Katherine Mulville und Sid Lucero in Ruhe von ihren Erfahrungen auf dem Set im philippinischen Dschungel referieren – dort aber muss es eine Ausnahmeerfahrung gewesen sein. Vorbereitung aufs Drehen? Von wegen. Immer wieder habe Mendoza sie in unerwartete Situationen versetzt, um „eine Art Chaos zu schaffen, das vielleicht nur er zu kontrollieren weiß“, sagte Huppert. Das Ziel: die Schauspieler in einen „Zustand des extremen Überraschtseins zu bringen“. Nicht mal einander vorgestellt habe er sie. Es habe auch keine Gespräche mit ehemaligen Geiseln gegeben, es blieb nur die eigene Vorstellungskraft.

Mendoza dagegen hatte sich gründlich vorbereitet, wie er sagte: Er hatte die Originalschauplätze der Entführung von 2001 besucht und dort dann auch mit ehemaligen Geiseln, Geiselnehmern und beteiligten Militärs gesprochen. Seine Schauspieler aber schloss er von diesem Vorwissen aus, zeigte allenfalls kleine Teile des Skripts – und hielt sich dann doch nicht dran.

Keine klassische Arbeit an einer Rolle war also gefordert. „Es ging vor allem darum, sich auf das einzustellen, was an jedem Tag geschah“, so beschreibt es Huppert, nennt es sogar ihre „unglaublichste Erfahrung als Schauspielerin“. Zwar war alles da, was zu einem Filmset gehört, aber „nicht im klassischen Sinne“. „Mendoza stellt sich schonungslos der Realität, überschreitet die Grenzen des Films, so dass jeder vergisst, dass er eigentlich in einem Film ist.“ Das kam Hupperts Art zu spielen eigentlich entgegen: „Ich denke nicht zu viel, ich tue es einfach.“ Aber es war eine so extreme Erfahrung, dass „es mir vielleicht schwer fällt, wieder zur Routine zurückzukehren“. Na, das wird schon wieder.

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