Kultur : Drei Bier, eine Cola und ein Mineralwasser

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Sie stehen in dem Ruf, "Saufpoeten" zu sein und viel Bier zu trinken.

Ahne: Ich trink auch manchmal Kaffee.

In Anbetracht Ihrer Texte vermutet man noch ganz andere Drogen.

Stein: Unser DJ war zwar kokssüchtig, aber wir kiffen eigentlich nur.

Tube: Ich kiffe nie.

Stein: Früher habe ich unter Drogeneinfluss sogar geschrieben. Die Texte musste ich in nüchternem Zustand immer überarbeiten, was dann doppelt so lange dauerte. Darum schreibe ich heute gar nicht mehr, sondern erzähle nur noch.

Ihre Texte leben vom mundartlichen Vortrag. Würden Sie gerne auch mal eines Ihrer Werke gedruckt sehen?

Stein: Unsere Texte funktionieren gar nicht, wenn man sie liest. Eigentlich wäre das Radio für uns das adäquate Medium. Dort besitzen sie allerdings eine sehr geringe Toleranzgrenze. Vor ein paar Jahren haben sie uns mal rausgeschmissen, also, die sind völlig durchgedreht.

Wegen Sexismus und Rassismus?

Stein: Viele Mädchen teilen unseren Jugendherbergshumor leider icht.

Weber: Sie hören uns aber zu.

Wenn junge Männer zusammen lesen und nebenbei über Musik reden, nennt man das für gewöhnlich "Popliteratur".

Weber: Wir bringen jetzt eine CD heraus. Ist das gemeint?

Wie verstehen Sie Ihre Literatur?

Gunnar: Wir machen Surf-Literatur.

Auf welcher Welle reiten Sie?

Tube: Auf keiner. Aber es geht auf und ab, genau wie beim Wellenreiten.

Momentan geht es aufwärts. Wann finden Sie Zeit, Ihre vielen Texte zu schreiben?

Ahne: Als ich noch gearbeitet habe, schrieb ich fast ausschließlich während der Arbeitszeit. Beim Deutschen Roten Kreuz, das heute einer unsrer Hauptfeinde ist.

Ahne: Wir kämpfen auch gegen Korruption.

Weber: Und gegen den Individualverkehr!

Also zurück zum Gruppenverkehr?

Weber: Das meine ich jetzt gar nicht sexuell. Mir geht es vielmehr um die Abschaffung von Privatautos. Die kotzen mich an.

Stein: Du hast ja auch keinen Führerschein!

Sie sind sich offenbar nicht ganz einig. Verstehen Sie sich trotzdem als außerparlamentarische Opposition?

Stein: Auf jeden Fall. Wir sind auch unter dem Namen "Liga für Kampf und Freizeit" bekannt. Als solche haben wir mehrfach demonstriert.

Weber: Unsere Desorganisation ist aber größer geworden. Die politische Tat ist hinter das Wort zurückgefallen.

Ahne: Dafür sind wie heute mehr eine Sekte und kuscheliger geworden. Aber gerade jetzt haben wir wieder was Politisches vor.

Weber: Was denn?

Ahne: Eine Demo gegen diese ganzen Scheiß-Demos. Motto: "Müssen alle diese Demos wirklich sein?" Das Gespräch führte Bodo Mrozek

Die "Surfpoeten", die dieser Tage ihr drittes Jubiläum feierten, ziehen heute in den Pavillon im Weinbergspark um (Veteranenstraße 9). Dort lesen sie künftig jeden Mitwoch ab 21 Uhr, DJ Lieutnant Surf legt Schallplatten auf

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