Dresden : Demonstration zum Erhalt des Welterbe-Titels

In Dresden haben Vertreter aus Wissenschaft und Gesellschaft zu einem Protestmarsch für die Erhaltung des Welterbe-Status' im Zusammenhang mit dem Bau der so genannten Waldschlösschenbrücke aufgerufen.

Dresden - Zwei Tage nach der Unesco-Entscheidung zur Einstufung des Dresdner Elbtals als bedrohtes Weltkulturerbe haben am Donnerstag vor dem Dresdner Rathaus rund 250 Bürger für den Erhalt des Titels demonstriert. Auf Spruchbändern und Transparenten forderten sie die Kommunalpolitiker auf, alles für den Erhalt der Auszeichnung zu unternehmen. Zudem verlangten sie von dem zeitgleich tagenden Stadtparlament, die Bevölkerung in einem neuen Bürgerentscheid über den geplanten und von der Unesco beanstandeten Bau der Waldschlößchenbrücke abstimmen zu lassen. Touristikexperten betonten derweil, eine Aberkennung des Titels habe nur geringe Auswirkung auf die Besucherzahlen in der Region.

Zu der Protestaktion, die bis in die Abendstunden andauern sollte, hatten verschiedene Vertreter aus Wissenschaft und Gesellschaft aufgerufen. Teilnehmer der Mahnwache waren unter anderem der Intendant der Dresdner Musikfestspiele, Hartmut Haenchen, sowie der Geschäftsführer der Grünen-Landtagsfraktion, Karl-Heinz Gerstenberg, dessen Partei zu den Brückengegnern zählt. Zu den Unterzeichnern des Demonstrationsaufrufs zählen zahlreiche Professoren der Technischen Universität Dresden, darunter Kunstgeschichtler, Historiker und Naturwissenschaftler.

In ihrem Appell riefen sie die Kommunal- und Landespolitiker auf, alles zu unternehmen, damit Dresden wieder von der Roten Liste der gefährdeten Unesco-Welterbestätten gestrichen werde. Der Verlust des Titels zugunsten des Baus der geplanten Waldschlößchenbrücke durch das Dresdner Elbtal sei mit dem Ergebnis des Bürgerentscheids nicht zu rechtfertigen.

Die Dresdner hatten sich im Februar 2005 mehrheitlich für die Brücke ausgesprochen. Auf Drängen der Unesco verschob die Stadt den für vergangenen März geplanten Baubeginn, nachdem die UN-Organisation bereits im November 2005 mit der Aberkennung des Titels gedroht hatte. Am Dienstag hatte die Unesco das Elbtal auf ihre Rote Liste bedrohter Welterbestätten gesetzt. Aus Sicht der Unesco würde die Elbquerung einen «irreversiblen Schaden» für die Kulturlandschaft bedeuten. Befürworter der Brücke argumentieren indes, der Bürgerentscheid zugunsten des Baus sei bindend und alternativlos.

Unterdessen schätzen Touristiker, dass eine mögliche Aberkennung des Welterbetitels kaum Auswirkungen auf die Besucherzahlen in der Region hätte. Zwar wäre damit ein Imageverlust verbunden, sagte ein Sprecher der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS) am Donnerstag. Allerdings würde sich dies nicht negativ auf die Gästezahlen auswirken. 2005 zählte die TMGS rund 5,5 Millionen Übernachtungsgäste in Sachsen. (tso/ddp)

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