Kultur : Dritter Wind

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von Jan SchulzOjala

Die feschen Lolas der Deutschen Filmakademie sind nicht nur gut fürs Branchen-Prestige, sondern auch an den Kassen der Liebling der Saison. Gerade nach der Filmpreis-Gala: Deren Werbeeffekt lässt sich durchaus mit jenem „zweiten Wind“ vergleichen, von dem alljährlich auch die Oscar-prämierten Filme profitieren.

Schon 2005, als die Deutsche Filmakademie den Preis erstmals ausrichtete, legte der Sieger „Alles auf Zucker“, nach einem halben Kinojahr weitgehend abgespielt, richtig los und holte in drei Monaten 250 000 Besucher, was die Gesamtzahl über die Millionenmarke trieb. Und „Das Leben der Anderen" letztes Jahr lockte die Hälfte seiner anderthalb Millionen Zuschauer erst nach dem Lola-Triumph ins Kino – ohne diesen Schub wären es wohl ein paar Hunderttausend weniger gewesen.

Nun dürfen sich, in etwas bescheidenerem Maßstab, die Macher von „Vier Minuten“ freuen. Bis zur Goldenen Lola verbuchte das Anfang Februar gestartete Frauendrama 280 000 Zuschauer, zuletzt noch rund 5000 pro Woche; nun kommen pro Woche dreimal mehr Besucher, und 400 000 Zuschauer, die sommerlichen Open-Air-Buchungen mitbedacht, sind am Ende für „Vier Minuten“ durchaus drin. Auch die Silber-Lolas „Wer früher stirbt, ist länger tot“ und „Das Parfum“ setzen auf den Lola-Effekt. Schon letzten Herbst gestartet, sind die beiden Knüller allerdings schon auf DVD zu haben und deshalb mit frischeren Siegern nur bedingt vergleichbar.

Die neue Faustregel – Lola-Sieger legen noch mal mindestens 25 Prozent zu – dürfte all jene in der Filmakademie freuen, die derzeit verstärkt für jenes Splitting-Modell werben, wie es der Regisseur Hans Weingartner vorgeschlagen hat. Denn wenn die Lolas mit dem Parfüm der erfolgsorientierten Filmakademie selber schon so kräftig wirtschaftsfördernd wirken, dann kann man den für den höchstdotierten deutschen Kulturpreis spendierten Steuerzahler-Batzen umso entschiedener für die gezielte Kulturförderung von Filmen ausgeben. Die Weingartner-Idee: Die Lolas funktionieren lupenrein undotiert wie die Oscars – und die drei Millionen Euro vom Kulturstaatsminister kommen via Jury-Entscheidung innovativen, mutigen, ja, auch mal nicht unbedingt gleich an der Kasse zugkräftigen Filmen zugute.

Die Idee trägt, und auch aus dem Haus des Kulturstaatsministers kommen bereits vorsichtige Befürwortungssignale. Mit einem Schlag wäre die Akademie auf dem Weltniveau der Oscars und Césars und Baftas und Goyas – und zugleich endlich den im gesamten deutschen Förderwesen beispiellosen Ruch los, dass Subventionsnehmer das Staatsgeld weitgehend unkontrolliert unter sich aufteilen. Motto: Ehre, wem Ehre – und Knete, wem Knete gebührt.

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