Kultur : Drüber und drunter

ARCHITEKTUR

Jürgen Tietz

Gleich mit ihrer ersten Ausstellung legten die Galeristinnen Kristien Ring und Beate Engelhorn vor zwei Jahren in ihrer neuen Galerie „suitcase architecture“ die Messlatte hoch: Denn mit David Chipperfields Entwurf für das Ansaldo-Kulturzentrum in Mailand präsentierten sie einen der Superstars der europäischen Gegenwartsarchitektur. Jetzt, zum kleinen Jubiläum der Galerie, wird in der Choriner Straße 54 erneut ein Museumsprojekt des erfolgreichen Briten vorgestellt (bis 4. August): die Erweiterung für das Literaturarchiv in Marbach am Neckar, die bis 2005 fertig gestellt werden soll.

Chipperfield hat einen pavillonartigen Baukörper entworfen, den er dem Schiller-Nationalmuseum zu Seite stellt. Doch damit die Dominanz des 1903 eingeweihten neoklassizistischen Altbaus gewahrt bleibt, nutzt der Brite die Hanglage des malerischen Parkgrundstücks aus: Auf der Höhe des Nationalmuseums begegnet den Besuchern künftig lediglich ein schlichter kubischer Baukörper aus Sichtbeton und Glas, während sich das weitaus größere Untergeschoss in den terrassierten Hang einfügt. Hallen, Galerien und unterschiedliche Geschosshöhen sollen für ein abwechslungsreiches Raumerlebnis im Neubau sorgen. Die eigentlichen, holzvertäfelten Ausstellungsräume befinden sich im Untergeschoss, dort wo auch die empfindlichen Exponate ihren Platz finden (darunter die Originalmanuskripte von Kafkas „Prozeß" und Döblins „Berlin Alexanderplatz“. Eine behutsame Architektursprache, die sich in Gestalt und Bedeutung des Ortes einpasst.

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