DSO in der Philharmonie : Erratische Energieströme

Berstende Spannung, aber ab und zu etwas zu unruhig: Der junge Finne Santtu-Matias Rouvali dirigiert das gewohnt souveräne Deutsche Symphonie-Orchester.

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Der finnische Dirigent Santtu-Matias Rouvali
Der finnische Dirigent Santtu-Matias RouvaliFoto: Kaapo Kamu / Deutsche Symphonie-Orchester

Der im Sommer 2016 als Chef des Deutschen Symphonie-Orchesters verabschiedete Tugan Sokhiev ist ein Meister der maximalen schlagtechnischen Ökonomie. Das kann man von Santtu-Matias Rouvali, einem jungen Exponenten des finnischen Dirigenten-Wunders, nicht gerade behaupten. Dennoch hat ihn das Orchester nach erfolgreichem Debüt vor drei Jahren nun erneut eingeladen.

Bei seinem zweiten Auftritt mit dem DSO stehen in der Philharmonie Werke von Bedrich Smetana, Carl Nielsen und Jean Sibelius auf dem Programm. Rouvali zeichnet mit dem Taktstock ausladende, von der linken Hand oft verdoppelte Bewegungen in die Luft, er scheint körpersprachlich nicht zwischen der Zunahme emotionaler Intensität und einer bloßen Steigerung der Lautstärke zu unterscheiden. Jedes Pianissimo wirkt, als müsste es mit größter Kraftanstrengung davon abgehalten werden, sich als Fortissimo zu erkennen zu geben. Aber die Gesetze des Energietransfers zwischen Dirigent und Orchester bleiben für den Betrachter oft rätselhaft.

Leidenschaftlich und technisch unfehlbar

Das Deutsche Symphonie-Orchester, ein bekanntermaßen außerordentlich flexibles Ensemble, hat damit aber kein Problem. Die Musikerinnen und Musiker spielen leidenschaftlich und trotzdem mit der gewohnten technischen Unfehlbarkeit. Am Ende des Konzerts beteiligen sich dann auch die Instrumentalisten am begeisterten Publikumsapplaus für den Dirigenten.

Tatsächlich gelingt eine von berstender Spannung erfüllte Interpretation von Sibelius’ erster Symphonie, die in den böse und kalt in den Orchesterklang fallenden Paukenschlägen im ersten und dem schließlich doch mit Geduld ausphrasierten Ende des langsamen Satzes große Momente hat. Smetanas „Moldau“ würde man allerdings doch größeren epischen Atem und einen ruhigeren Grundpuls wünschen.

Über beides verfügt die Geigensolistin des Abends Baiba Skride, die ein beeindruckendes Plädoyer für das relativ selten aufgeführte Violinkonzert des dänischen Komponisten Carl Nielsen einlegt. Die lettische Geigerin interpretiert die umfangreichen, hochvirtuosen und strukturell komplexen Kadenzen ohne Show-Effekte, schlichter gestrickte Passagen wie das Rondo-Thema des letzten Satzes mit Anmut und Spielwitz.

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