Kultur : Du bist, was du baust

ARCHITEKTUR

Michael Zajonz

Was wollt ihr Deutschen eigentlich? Der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom ist viel zu höflich, um derlei laut zu fragen. Doch sein Gesichtsausdruck während einer Podiumsdiskussion im Jüdischen Museum Berlin sprach Bände. Ihr Leidensthema: „Hat die deutsche Architektur ein Identitätsproblem?“ Nooteboom legte mit „Nie gebaute Niederlande“ ein Kompendium des architektonischen Möglichkeitssinns vor. Nun allerdings konnte der Berlin-justierte Beobachter („Allerseelen“) kaum mitreden: Wenn deutsche Experten streiten, geht es abstrakt zu.

Was ist deutsch? Zeigt sich Nationalbewusstsein in zweckgebundener Architektur? Fragen, die sich an Berliner Regierungsbauten veranschaulichen ließen. Von Bruno Flierls altersweisen Aussagen über Ost-Berlins Stadtzentrum abgesehen, wurde der Ton stattdessen schnell persönlich. Mit dem Architekturhistoriker Fritz Neumeyer und dem Soziologen Werner Sewing saßen zwei Barden des zehn Jahre alten „Berliner Architekturstreits“ auf dem Podium. Leider konnte auch Tagesspiegel-Redaktionsleiter Gerd Appenzeller als Moderator nicht verhindern, dass Altes aufgewärmt wurde. Einigkeit herrschte lediglich darüber, dass zeitgenössische Architektur ohne Nationalstil auskommt. Scheitert deutsche Architektur schon daran, dass sie nur unzureichend gefördert wird? Darüber hätte man reden müssen.

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