Kultur : Duell bis aufs Blut

„2LDK“ aus Japan macht ein Haus zur Hölle

Karl Hafner

Wenn Nozomi (Eiko Koike) die Haare ihrer Mitbewohnerin Lana (Maho Nonami) lobt, heißt das im Klartext: Am liebsten würde ich dich töten. Freiwillig wohnen die beiden Möchtegern-Schauspielerinnen nicht zusammen, eine Casting-Agentur hat ihnen die Wohnung besorgt. Eine weibliche Hauptrolle in einem Yakuza-Film soll besetzt werden. Nozomi und Lana sind Konkurrentinnen, bis aufs Blut. Es kann nur eine geben in „2LDK“ von Yukihiku Tsutsumi.

Der Film ist Teil des „Duel Projects“, einer Wette von zwei japanischen Independent-Regisseuren: Wer dreht den besseren Film über einen tödlichen Kampf auf begrenztem Raum? Der Schwertkampf-Film „Aragami“ von Ryuhei Kitamura, der andere Teil des Film-Duells, läuft seit Anfang Mai in den Kinos.

2LDK ist in Japan die gängige Abkürzung für ein Apartment mit zwei Schlafzimmern, einem Wohnzimmer, Küche und Bad. In Tsutsumis Film wird ein solches Apartment zum Grab. Dabei geht es am Anfang noch recht freundlich zu zwischen Nozomi und Lana. Man redet über den Tag, über das Wetter mit einem Grinsen im Gesicht. Nur eine Stimme aus dem Off verrät die finsteren Gedanken. Für beide ist das Casting die letzte realistische Chance, Schauspielerin zu werden. Für den Erfolg – vor allem für den Misserfolg der anderen – würden sie alles tun. Also wird schikaniert, drangsaliert, jede Schwäche der Gegnerin auf aberwitzige Art ausgenützt. Aus den WG-Nickeleien wird Sadismus, aus der Wohnungseinrichtung ein riesiges Waffenarsenal. Und aus einem minimalistischen Plot wird eine blutige Satire, so garstig und zynisch, dass man tatsächlich darüber lachen kann.

In Berlin nur im Kino Central (OmU)

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