Kultur : Duett und Duell

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Wenn kalifornische Wohlstandskids gelangweilt sind und noch dazu von ihren Eltern vernachlässigt werden, kommt es schon mal vor, dass sie neben homoerotischen Neigungen auch nietzscheanische Übermensch-Fantasien entwickeln. Justin (Michael Pitt) – bleich, verschroben, intellektuell – liest Rimbaud und betrinkt sich mit Absinth. Manchmal wird er „Bonaparte“ genannt. Richard (Ryan Gosling) ist gutaussehend, reich und der Liebling seiner High-School-Klasse. Ein „narzisstisches Arschloch“, wie es heißt.

Das Credo der beiden: Frei ist nur, wer ein Verbrechen begeht und dabei keine Schuld empfindet. Ihr Selbstversuch: der perfekte Mord. Deshalb muss eine Unschuldige dran glauben. Und deshalb kommen die beiden Polizisten Cassie Mayweather (Sandra Bullock) und Sam Kennedy (Ben Chaplin) ins Spiel. Er arbeitet nach den Methoden, die er in der Polizeischule auswendig gelernt hat. Sie folgt ihrer Intuition. Nicht gerade schwer zu erraten, wer mehr Erfolg haben wird.

Der Film gibt Sandra Bullock die Möglichkeit, ihr Image als Sauberfrau ein wenig zu beschmutzen. Übellaunig raunzt sie die Männerwelt an. Und nach dem Sex kickt sie ihre männlichen Spielbälle gekonnt aus dem Bett. Doch bald erfahren wir: Die arme Cassie ist nur deshalb so schmallippig, weil sie an einem Trauma leidet. Der aktuelle Fall lässt das Verdrängte wiederkehren. Sie muss also nicht nur den Mord aufklären, sondern, ganz freudianisch, auch ihre Vergangenheit durcharbeiten. Könnte gut sein, dass ihr das am Ende gelingt.

Der deutsche Verleihtitel klingt nach Krimiheft am Bahnhofskiosk oder einer Folge von „Ein Fall für zwei". Gar nicht mal unpassend. Barbet Schroeder hat einmal ausgeklügelte Filme wie „Die Affäre der Sunny von B.“ gedreht oder den spannenden WG-Thriller „Weiblich, ledig, jung sucht...". Verdammt lang her. Julian Hanich

In 22 Kinos; Originalversion im Cinemaxx Potsdamer Platz und Cinestar Sony-Center

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