Kultur : Duo infernal

Die Ausbrecherdeppen: „Ruby und Quentin“

Julia Hellmich

Wie presst man einem verstockten Killer ein Geständnis ab? Man setzt eine Quasselstrippe zu ihm in die Zelle und treibt ihn damit in den Wahnsinn – so wollen es Gefängnispsychiater und Kommissar. Der Plan läuft allerdings völlig schief: Denn der penetrante Quentin (treudoof: Gérard Depardieu) ist ganz beglückt von seinem stummen Zellengenossen Ruby (abgründig: Jean Reno) – endlich mal einer, der ihm nicht das Maul verbietet.

Quentin erwählt sich Killer-Ruby zu seinem besten Freund und organisiert einen spektakulären Ausbruch: Mit einem Kran lassen sich die beiden am helllichten Tag von Quentins Kumpel, einem unzurechnungsfähigen Säufer, aus dem Gefängnisgarten hieven. In Freiheit will Ruby den Kindskopf Quentin endgültig loswerden. Doch wie bloß, wenn sich der Trottel in den Kopf gesetzt hat, mit Ruby ein „Café des deux amis“ zu eröffnen?

Eine rasante Gangsterposse zweier ungleicher Kumpel beginnt. Mit geklauten Autos hetzt man durch Paris: Wer ihnen in die Quere kommt, wird umgenietet, und die Schurken, die Ruby auf den Fersen sind, führt man an der Nase herum: Voilà la vie criminelle! Auch wenn Quentin den abgebrühten Ruby permanent verrückt macht – hartnäckig malt er die Zukunft in rosaroten Farben aus und erbeutet in einem Scherzartikelladen auch noch ein Furzkissen –, weder durch Beschimpfungen noch Bestechungen lässt sich der Idiot abschütteln.

So weit so lustig. Nach einer knappen Stunde Possentheater – mal originell, mal infantil, aber immer rasant – verliert das flotte Geschehen allerdings ein wenig an Schwung. In Frankreich lief der Film sehr erfolgreich, was wohl dem Duo französischer Schauspiel-Stars und dem Blick ins Pariser Milieu geschuldet ist. Wer sich damit nicht begnügt, der wird in der letzten halben Stunde ein Gähnen kaum unterdrücken können.

In acht Berliner Kinozentren

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