Kultur : Durch die Prärie

Das Landesjugendorchester im Konzerthaus.

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Benjamin Brittens „The Young Person’s Guide to the Orchestra“ ist als Auftaktstück wie gemacht für das Landesjugendorchester, in dem sich fortgeschrittene Musiker zwischen 14 und 24 Jahren ausprobieren. Britten hat 13 Variationen auf ein Thema von Henry Purcell komponiert, dem letzten bedeutenden englischen Komponisten vor ihm selbst. Das Thema wandert durch alle Instrumentengruppen, jeder steht mal im Rampenlicht. Weiter nach Westen geht der Blick in Jacob ter Veldhuis’ „Goldrush Concerto“, in dem zwei solistische Schlagzeuger (energisch: Lukas Böhm und Ni Fan) mit glockenhellen Vibrafonklängen und das Orchester mit liegenden ganzen Tönen den Urzustand des Goldes als Chiffre für Zufriedenheit beschwören, bevor mit harten Klängen die menschliche Gier und der Goldrausch einsetzen. In Amerika bleibt das Programm auch mit Antonin Dvoraks 9. Symphonie „Aus der neuen Welt“.

Spätestens hier zeigen sich – der präzisen Zeichengebung von Dirigentin Sian Edwards zum Trotz – Defizite des Orchesters, die auch schon bei Britten hörbar waren: Zwar brillieren immer wieder einzelne Stimmen, aber jeder kocht noch zu sehr für sich allein. Es fehlt an einem Gesamtgefühl fürs Stück, an Fluss. Die Themen gehen nicht organisch ineinander über, statt herzöffnender Weite der Prärie herrscht Respekt vor den Noten. Dennoch schimmern bemerkenswerte Einzelleistungen durch wie in der Fanfare des Blechs zu Beginn des 4. Satzes. Einzelne Musiker werden ihren Weg gehen. Starker, aufmunternder Applaus im Konzerthaus. Udo Badelt

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