Kultur : Durch die Wand

Veronika Kellndorfer seziert in der Galerie Fahnemann Ikonen der Moderne

Nicola Kuhn

Veronika Kellndorfer ist das beste Beispiel dafür, wie fruchtbar Auslandsstipendien wirken können. Brachte sie von ihrem L. A.-Aufenthalt eine Ausstellung für die Berlinische Galerie mit, so präsentiert sie nun die Ausbeute ihres Gastjahres in der Villa Massimo in Rom. Regelrechte Traumreisen hat die Berliner Künstlerin jedes Mal angetreten und ihre daraus entwickelten Installationen mal „exterior and interior dreams“ oder diesmal „dream switch“ genannt. Gemeinsam ist allen die Reflexion über Architektur mit Mitteln der Fotografie. Womit die jüngste Produktion wiederum in die Ausstellungsreihe „Architekturen der Abstraktion“ bei Fahnemann Projects passt.

Ob in Los Angeles oder Rom, Berlin oder Chemnitz – stets nähert sich die Künstlerin Ikonen der Moderne an, die sie auf ihre räumliche Wirkung untersucht, deren historische Schichten sie mittels spiegelnder Scheiben oder Schattenwürfe an die Oberfläche holt. In Ostia stieß sie auf Angelo Mazzonis Postamt von 1934, das wie konserviert zwischen spätem Expressionismus und neuer Sachlichkeit erhalten ist. Ein Traumhaus und damit prädestiniert für eine Sezierung durch den künstlerischen Blick.

Wieder hat Kellndorfer ihre Aufnahme als Siebdruck auf Glas gebannt und damit das Spiel der verschiedenen Raumebenen in Gang gesetzt (40 000 Euro). Der Betrachter blickt nicht nur in die verschattete Kassenhalle, er sieht zugleich einen eisernen Vorhang gespiegelt, die rot leuchtende Nummernanzeige für den nächsten Kunden, auf dem Vorplatz stehende Ziegelsäulen und sogar sich selbst im Glas reflektiert. Die Traumreise beginnt.

Doch die Künstlerin will mehr. In Erinnerung an das kreisrunde Bassin vor dem Gebäude ließ sie eine viertelrunde Styrophor-Sitzbank mit einer verdrehten Säule bauen, wie sie auch in Ostia steht. Darüber werden nochmals Säulen projeziert, so dass sich das Spiel der Bezüglichkeiten in sich selbst verliert. Jene Klarheit, die Kellndorfer an den Klassikern der Moderne liebt, hätte auch ihrer überladenen Installationen gut getan. In der Berlinischen Galerie waren es Pflanzen als Reverenz an die kalifornische Vegetation, hier hat sie sich nun in den Kulissenzauber der Cinecittà als örtlichen Anknüpfungspunkt verguckt und verhoben.

Glücklicherweise findet die Künstlerin zurück zur analytischen Strenge. Drei Kugellampen aus der Dänischen Akademie leiten über zu Fotos vom Palazzo dei Congressi mit seinen extrem hochrechteckigen Fenstern. Kellndorfer adaptiert das Format für ihre Drucke und erhöht damit die Spannung zwischen Raum und Ausblick, Architektur und Natur, klaren Linien und verschwommenem Horizont (je 16 000 Euro). Hier lässt sich nachvollziehen, was der Kritiker Knut Ebeling die Zurückfaltung des Prinzips der Architektur auf die Logik des Bildes nennt. Die räumliche Struktur schlägt sich zweidimensional und damit abstrahiert im Bild nieder, was zum Aufbruch in andere Sphären animiert – so der „Dream Switch“ geschaltet wird.

Fahnemann, Gipsstr. 14, bis 27. Januar.

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