Kultur : Durchgrünt modern

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Schlank, elegant schwang sie um die Ecken, setzte mit Höhendominanten und aufgelockerten Grünflächen Akzente jenseits der baulichen Tradition. Wer die Bauten dieser Epoche verstehen will, der muss sich in die Nachkriegszeit einfühlen, die zwischen personeller Kontinuität aus dem „Dritten Reich“ und Neuanfang schwankte. In der Berliner Akademie der Künste gibt jetzt die Ausstellung „25 Jahre Planen und Bauen in der Demokratie“ einen Überblick über diese Architekturepoche in Hamburg. Erarbeitet wurde sie von der dortigen Akademie.

Spätestens die Untersuchungen des Architekturhistorikers Werner Durth entlarvten den Glauben an die „Stunde Null“ nach 1945 als Legende. So bekamen in Hamburg neben dem zurückgekehrten Türkei-Emigranten Gustav Oelsner auch Architekten wie Bernhard Hermkes und Rudolf Lodders, die im Industriebau des NS-Regimes „überwintert“ hatten, eine Chance. Der Blick der Architekten richtete sich auf Skandinavien und die USA. Manchmal holte man sich Skandinavier nach Hamburg, wie Arne Jacobsen, der mit den eleganten Hochhausscheiben der Elektrizitäts-Werke (1966/69) oder dem Gymnasium Christianeum (1968/72) mehrere Spuren in der Hansestadt hinterließ. Ohne nordeuropäische Vorbilder wäre auch Werner Kallmorgens bescheiden schöne Siedlung Beerboomstücken (1956/57) nicht vorstellbar. Mit den zwölf Grindelhochhäusern – der ersten Wohnhochhaussiedlung Deutschlands - setzte Hamburg 1946/56 ein Signal für die durchgrünte Stadt der Moderne. Nebenbei begegnen in der Ausstellung frühe Werke von Gerkans oder Peter Schwegers, der in Berlin das Preußische Herrenhaus zum Bundesrats-Sitz umgebaut hat. Wann wird die Berliner Akademie mit einer Ausstellung über die Nachkriegsarchitektur ihrer Stadt nachziehen, die derzeit unter solch hohem Abrissdruck steht? Jürgen Tietz

25 Jahre Planen und Bauen in der Demokratie 1950-1975: bis 11. 8., Katalog 12,50 Euro.

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