Kultur : Durchhalten, locker bleiben

TANZ

Sandra Luzina

Am Ende dieser langen Nacht war jeder reif für die MIR: Mit einem Ausschnitt aus dem letzten Teil ihrer MIR-Trilogie, „Durchhalten“ betitelt, sorgte Constanza Macras für einen fulminanten Ausklang der zweiten Langen Nacht des Zeitgenössischen Tanzes . „Durchhalten“ wäre auch ein prima Motto für diesen Marathon in der Akademie der Künste: Die Berliner Tanzszene hat ihre Kräfte gebündelt. Fast alle der teilnehmenden Choreografen müsste man allein schon für ihren langen Atem loben. Erfreulich zu sehen, wie einige ihr Potenzial weiter ausgeschöpft haben – etwa Christoph Winkler und Thomas Lehmen, zwei Künstler an entgegengesetzzen Enden des ästhetischen Spektrums. Auch wenn Winkler die politische Geste zu groß geriet – er widmete sein Stück Jerusalem –, hat er seine Handschrift in der Spannung von Form und Inhalt doch weiter entwickelt. Lehmens konzeptueller Ansatz ist bühnentauglicher formuliert. Neben manch Belanglosem gibt es Momente, wo Reflexion und Sinnlichkeit, Ironie und Ernst ausbalanciert sind, wo Perfomer durch Ausstrahlung und Glaubwürdigkeit überzeugen. Tanz made in Berlin ist ein kulturelles Aushängeschild, das auf zahlreichen internationalen Festivals vertreten ist: Darauf wollte man mit diesem Schnelldurchlauf hinweisen. Dass Berlin eine Drehscheibe für junge Talente aus aller Welt ist, konnte man dabei zumindest erahnen. Denn flankiert wurde die Tanznacht von einem fünftägigen Festival, an dem sich sechs Spielstätten beteiligten. Dass die beiden Moderatoren zu später Stunde Lockerungsübungen offerierten, machte durchaus Sinn. Von der Tanzszene erwartet man genau dies: Sie muss antanzen gegen rabiate Sparpolitik – und dabei schön locker bleiben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben