East Side Gallery : "Bruderkuss"-Bild verschwunden

Der "Bruderkuss" zwischen SED-Chef Erich Honecker und dem sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnjew war jahrelang eines der "Prunkstücke" in der Bilderreihe der East Side Gallery in Berlin. Jetzt musste das weltberühmte Bild einer Grundsanierung des Mauerrestes weichen.

Bruderkuss
Geschichtsträchtiges Werk: der "Bruderkuss". -Foto: dpa

Die komplette Entfernung eines der bekanntesten Gemälde an der Berliner East Side Gallery hat bei dem Künstler für Entsetzen gesorgt. "Mein Bild ist zerstört!", klagt der Moskauer Maler Dmitri Vrubel, der den "Bruderkuss" zwischen den ehemaligen Staatschefs der DDR und der Sowjetunion, Erich Honecker und Leonid Breshnew, in der Freiluftgalerie zeigte. Er habe nie seine Einwilligung gegeben, dass sein Gemälde gelöscht werde, sagte der 48-Jährige "Spiegel online". Er habe kein Problem mit einer Restaurierung: "Aber das wäre ja ein neues Bild. Ich kann doch nicht einfach das Gleiche nochmal malen."

Angesichts des schlechten Zustandes der Touristenattraktion im Stadtbezirk Friedrichshain verteidigte der Vorsitzende der Künstlerinitiative East Side Gallery, Kani Alavi, die Arbeiten. "Alles muss weg", sagte er dem Onlinedienst. Um die Substanz zu schützen, müssten alle Farbreste mit 80 Grad heißem Wasserdampf entfernt werden. Danach sollen die ursprünglichen Künstler ihr Bild neu aufmalen. "Diesmal mit spezieller Farbe, damit es länger hält", sagte Alavi. Bis zum 20. Jahrestag des Mauerfalls im Herbst sollen nunmehr die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein.

Im Frühjahr 1990 hatten mehr als 100 Künstler aus 21 Ländern den 1316 Meter langen Mauerabschnitt parallel zur Spree zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke bemalt. Auf 106 großformatigen Wandbildern stellten sie ihre Sicht des Umbruchs dar. Seitdem hat sich die Freiluft-Gemäldesammlung zu einer Touristenattraktion entwickelt. 800.000 Besucher der Stadt kommen in jedem Jahr an die Open-Air-Galerie. Sie ist das längste erhaltene zusammenhängende Stück Mauer und steht seit Anfang der 90er Jahre als Gesamtkunstwerk unter Denkmalschutz. (sgo/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben