Kultur : Eben Holz

Carsten Niemann

Keine Frage: Der Herr mit weissem Zopf, schwarzem Anzug und blinkendem Ohrring hat Bühnenpräsenz. Das ist gut, denn er ist Orchesterwart und heute gibt es viel zu räumen auf dem Podium des kleinen Konzerthaus-Saals. Vom Telemann-Quartett mit Cembalo bis hin zu aparten Kammerensembles für Strawinskys japanische Lyrikvertonungen reichen die Besetzungen, ganz zu schweigen von den Mikrofonen, welche die Uraufführung von Peter Benarys "Partita per cinque" einfangen sollen. Ein intelligentes, exotisches, herausforderndes Programm - und trotzdem gut besucht.

Schade, dass die Musiker von Liberamente Berlin und dem Kammerensemble des BSO ihrerseits nicht die musikalische Präsenz mitbringen, um daraus ein begeisterndes Ganzes zu schmieden. Schon in Martinus pseudobarocken "Promenades" wagt nur Cembalistin Beni Araki jene bedingungslose rhythmische wie emotionaler Zuspitzung, die dem Stück seine karikaturhafte Wirkung verleiht. Unwohl scheinen sich die Musiker gar bei Telemanns Quartetten von 1733 zu fühlen: Man gab sich "historisch informiert", doch übertrieben spitze Themenköpfe standen unvermittelt unter sonoren Liegetönen, dann wieder übertrieb der Violinist Vibratolosigkeit zu swinglosem Kratzen. Auch Strawinskys "Poésies de la lyrique japonaise" fehlt die nötige Binnenspannung. Nur die Sopranistin Maria Husmann weiß auch lapidare Phrasen mit fokussierter Leidenschaft vorzutragen.

Wenigstens die Uraufführung von Benarys Werk weckte spürbare Leidenschaft der Musiker - schließlich ist es auch für das Ensemble Liberamente geschrieben. Doch gegenüber Strawinskys Klangexpreimenten sah Benary alt aus; nur seinem sauberen Kontrapunkt war es zu verdanken, dass man die Partita wohlwollend als Suite im Alten Stil hinnahm.

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