Kultur : Echoraum Romantik

MAERZMUSIK

Ulrich Pollmann

Andere Festivals beginnen mit einem schnöden Eröffnungskonzert, die MaerzMusik gönnt sich zusätzlich eine „Vormusik“. Und die fällt auch gleich recht opulent aus, das DSO unter Johannes Kalitzke geht im großen Sendesaal des RBB mit Harrison Birtwistles „Marchaud à ma Manière“ gleich in die Vollen, erst das Verstummen des aggressiven Blechs schafft Erleichterung. Ein an mittelalterlicher Musik angelehntes Verweben von rhythmischen und melodischen Wiederholungsstrukturen betreibt Birtwistle hier, die häppchenweise gereichten und wieder entzogenen Melodieschnipsel klingen fast wie ein verkrampfter Britten.

Der Programmschwerpunkt aber hat anderes Kaliber. Johannes Kalitzkes „Vier Toteninseln (Überfahrt mit Brahms)“ nimmt die „Vier ernsten Gesänge“ von Brahms als Grundlage für vielfältige Übermalungen. Sofort schafft er eine eigentümliche Ambivalenz aus Kraft und Entrückung. Klavier und Tonband greifen inmitten scharf akzentuierter Orchesterklänge ineinander wie Leben und Tod. Dann greift Kalitzke ariose romantische Klänge auf, Thomas Bauer singt Texte voll lakonischer Todesmetaphern. Nach erneut scharfkantigen Orchestersentenzen, unterbrochen von expressivem Gesang, senkt Kalitzke nun die Glocke der Entrückung über das Geschehen, vom Tonband eingespielte Glasharmonikaklänge lassen den Hörer aus dem Diesseits auftauchen. Auch wenn ihm der Schluss etwas lang geraten ist – Kalitzke zeigt eindringlich und schlüssig, wie anspruchsvolle kompositionstechnische Durchdringung und plakative Klangwirkung sich ergänzen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben