Kultur : Echter Kerl

Dem Schauspieler Jürgen Prochnow zum 70.

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Zu Beginn seiner Karriere wirkte Jürgen Prochnow im Fernsehfilm „Knast“ mit und war dabei so authentisch, dass er auf der Leinwand immer wieder in den Knast zurückkehrte: Prochnow spielt die harten Kerls mit Gefühl und Verstand, zum Beispiel im Gefängnisdrama „Die Verrohung des Franz Blum“ (1973), dem Film, mit dem er bekannt wurde. Bald darauf stellte er in Volker Schlöndorffs und Margarethe von Trottas „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ den vermeintlichen Terroristen dar, der eine Nacht mit Katharina verbringt – worauf diese auf die Fahndungsliste gerät.

Die Liste von Prochnows Filmdelikten ist lang: Bankraub, Wehrdienstverweigerung, Unzucht mit Minderjährigen – wie in Wolfgang Petersens „Die Konsequenz“ (1977), einem Meilenstein des Homosexuellenfilms. Dabei stammt der Schauspieler aus gutbürgerlichen Berliner Verhältnissen; er begann in Düsseldorf eine Banklehre, bevor er Schauspielunterricht nahm. Sein Bühnendebüt gab er in Osnabrück, in der Oper „Das Land des Lächelns“, Peter Zadek holte ihn dann ans Schauspielhaus Bochum, dessen Ensemble er bis 1976 angehörte. In Düsseldorf gastierte er als Franz Moor in Schillers „Die Räuber“ und wurde von der Zeitschrift „ Theater heute“ als einer der besten Schauspieler des Jahres gewürdigt.

Es war aber Wolfgang Petersen, der Prochnows wichtigster Förderer werden sollte. Für den Tatort „Jagdrevier“ (1972), erinnert sich der Regisseur in seiner Autobiografie, „suchte ich damals einen ClintEastwood-Typen, einen Außenseiter und wortkargen charismatischen ,Bösewicht’, der dann aber, wie sich herausstellt, doch ein sensibler Bursche und ,guter Mensch’ ist. Ich hatte große Mühe, in Deutschland diesen Clint-Eastwood- oder Gary-Cooper-Typen zu finden.“ Bis er Prochnow traf. Der Welterfolg ihres fünften gemeinsamen Films „Das Boot“ (1980) ebnete beiden den Weg nach Hollywood. Hier fand sich Prochnow zwar überwiegend in Nebenrollen wieder, in Filmen wie „Beverly Hills Cop II“ oder „Da Vinci Code“, aber auch im oscar-prämierten „Englischen Patienten“ und in interessanten Flops wie David Lynchs „Wüstenplanet“ oder „Body of Evidence“ mit Madonna. Der Blockbuster, „Air Force One“ bescherte ihm ein doppeltes Wiedersehen: mit Petersen und dem Knast, diesmal einem russischen.

Und das Privatleben? Grundsolide. Seit 30 Jahren ist Prochnow verheiratet. Gastrollen in Serien wie „24“ sichern dem Vater zweier Kinder das Einkommen. Was ihm noch fehlt, ist eine große Altersrolle. Vielleicht denkt Petersen ja an ihn, wenn er endlich sein Projekt „Old Man’s War“ realisiert. Am heutigen Freitag feiert Jürgen Prochnow seinen 70. Geburtstag. Frank Noack

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