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Edel-Kitt : Das Emerson String Quartet im Kammermusiksaal der Philharmonie

Jörg Königsdorf

Eigentlich hatte ja alles gestimmt. Das Programm hätte mit Haydn, Schostakowitsch und Mendelssohn kaum vielfältiger ausfallen können, im Kammermusiksaal saß ein gebührend konzentriertes Publikum, und die Künstler selbst gelten seit Jahren als der Welt bestes Streichquartett. Eigentlich. Denn die Emersons zeigten bei ihrem Berlin-Auftritt vor allem eins: wie wenig alle Rahmenkoordinaten taugen, wenn die Musik selber auf der Strecke bleibt.

Ihren Ruf haben die vier New Yorker sich als nüchtern-präzise Durchleuchter der Quartettliteratur erworben, doch schon bei Haydns einleitendem Opus 33,2 gerät die Sachlichkeit zur Belanglosigkeit. Keine Spur von der Spontaneität und Frische, mit der etwa das Quatuor Mosaiques Haydns idealisierte Viersatzkonversationen revitalisiert, kein Spaß am geistvollen Aufeinander-Reagieren, das diese Musik erst lebendig werden lässt. Stattdessen spielen die vier Musiker sorgfältig aneinander vorbei, gerinnt das Gespräch zum Austausch altbekannter Floskeln und wird der Schlusswitz des immer wieder stockenden Finales erzählt, als würde ihn sowieso jeder kennen. Freilich klingen die Emersons so edel wie kaum eine andere Streichquartett-Formation.

Doch die Klangpolitur offenbart sich bei Haydn wie bei Schostakowitschs vierzehntem und Mendelssohns frühem a-moll-Quartett bloß als Glätte. Und Sterilität ist bei keinem der drei Stücke ein tauglicher Weg. Beim Schostakowitsch-Quartett noch am wenigsten, dessen umherfliegende Tonsplitter die Emersons sorgfältig einsammeln und dessen Brüche sie nach Möglichkeit zu kitten suchen.

Im gleichmäßigen Stromlinienspiel ist weder für die individuelle Qual Platz, die immer wieder aus dem Quartett-Gefüge hervorbricht (Gänsehautstellen wie das Bratschensolo im ersten Satz geraten völlig flach) noch später für die überschwengliche romantische Bildfantasie des 17-jährigen Felix Mendelssohn. Ob wirklich nur der Jetlag schuld ist?

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