Edita Gruberová in der Deutschen Oper : Königin der Koloratur

Perfekter Gesang und vollendet verzierte Melodien: Edita Gruberová brilliert in der Deutschen Oper als Elisabetta aus Donizettis „Roberto Devereux“.

Hans Ackermann
Einfühlsamer Stimmzauber. Die Sopranistin Edita Gruberová.
Einfühlsamer Stimmzauber. Die Sopranistin Edita Gruberová.Foto: Bettina Stöß

„Blut steigt zum Himmel auf“: So wie in der Arie der Elisabetta aus Donizettis „Roberto Devereux“ der Lebenssaft nach oben muss, so springt auch die Stimme von Edita Gruberová bis zum hohen D hinauf. Und bleibt einen wunderbaren Takt lang auf diesem hohen Schlusston, in den sich dann schon der erste Applaus mischt, bevor schließlich ein wahrer Beifallsorkan losbricht.

Natürlich gibt es stehende Ovationen am Ende dieses Galaabends zum 50. Bühnenjubiläum der Sängerin. Nach mehr als 200 Auftritten in der Deutschen Oper, nach einem Programm, das im Alter von 70 Jahren wohl nur diese außergewöhnliche Sopranistin noch so stark präsentieren kann. Zum Beispiel die frühere Paraderolle der Konstanze aus Mozarts „Entführung aus dem Serail“. Schon im Rezitativ „Weil ich dir entrissen bin“ fühlt man mit Edita Gruberová höchsten Schmerz und erlebt danach in der Arie den Zauber, wenn eine Stimme zum Instrument wird, sich mal an die Solo-Oboe anschmiegt, dann wieder Streicherklänge weiterführt.

Besondere Einfühlung

Das ist perfekter Gesang, auch wenn das hohe F der „Königin der Nacht“ nicht mehr erreicht werden kann und Koloraturen an diesem Abend überhaupt eher sparsam platziert sind. In den 70er Jahren hat die in Bratislava geborene Gruberová mit diesen vollendet verzierten Melodien ihren Weltruhm begründet, „Königin der Koloratur“ wird sie bis heute genannt. Ausgebildet wurde sie bei Ruthilde Boesch, die 2012 in Wien im Alter von fast 100 Jahren gestorben ist und viele Sängerinnen in der Kunst des dramatischen Koloratursoprans geschult hat – gewichtige Stimmen, die dennoch jederzeit in der Lage sind, federleichte Verzierungen hinzufügen zu können.

Das Phänomen Gruberová lässt sich aber nicht allein stimmtechnisch erklären, hinzu kommt eine besondere Einfühlung. Man ist schlichtweg gebannt, selbst wenn sie nur spricht, wie zu Beginn des Ausschnitts aus „La Traviata“: das Verlesen des Briefes, „Teneste la promessa“, feinfühlig begleitet vom Orchester unter der Leitung von Peter Valentovic, dann die Arie „Addio del Passato“ – schöner und lyrischer lässt sich die Verzweiflung eines gefallenen Engels nicht zum Ausdruck bringen.

„Wo mein Thron steht, erhebt sich mein Grab“ singt Gruberová danach als Donizettis Regina Elisabetta. Die Regentschaft Edita Gruberovás als „Königin der Koloratur“ aber möge bitte noch lange andauern.

Noch einmal am 4. Dezember, 20 Uhr.

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