Kultur : Ediths Enkel

CHANSON

Franziska Richter

Französische Chansons – da denkt man an Serge Gainsbourg und Edith Piaf. An Musik, die man am besten mit einem Glas Rotwein genießt. So muss es aber nicht sein. Das junge französische Chanson ist tanzbar, poetisch und kreativ zugleich. Das Francofolies-Festival (heute letzter Tag: Davy Sicard, Faudel 17 Uhr, French Connection, Corneille, Daraa J, 20 Uhr, Karten: 23 099 333), zum ersten Mal aus La Rochelle nach Berlin importiert, holt in vier Tagen zwei Dutzend Sänger, DJs und Bands in die Kulturbrauerei . Von chilligem Cocktailbar-Stil bis hin zu verträumten Balladen reicht das Repertoire der seit 1997 in Berlin lebende Corinne Douarre . Auf deutsch und französisch erzählt sie, begleitet von Akkordeon, Bass oder Klavier, vom „Cool nageur“ (coolen Schwimmer) oder „Croissants“. Ihre mitunter sehr kurzen Chansons wirken wie spontan vertonte Lyrik. Ganz anders: Fred , ein Meister an der Gitarre, mit eingängig-melancholischen Reimen („Ma place, mais où est ma place en terre?“, Aber wo ist mein Platz auf Erden?), der fast jedes Stück mit einem „Uuuh“-Wohlfühl-Einsatz beginnt. Und dann: Benjamin Biolay , der neue Superstar aus Paris. Zigarette links, Mikro rechts, schwarze Retro-Frisur mit Strähne im Gesicht, sonore Stimme – so stellt er sein neues Album „Négatif“ vor. Sein Markenzeichen ist ein Spieluhrsound im Hintergrund, auf den sich Gitarrenriffs wie von den „Bad Seeds“ oder Synthesizerrhytmen wie von „Air“ legen. Gainsbourg und Piaf wären stolz auf diesen Nachwuchs.

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