EDITORIAL : Glück hat Gesichter

Stephan-Andreas Casdorff

Die Luft flimmert, das Gebäude, das aussieht wie eine Waschmaschine ohne Sockel, hat seine Trommel geschlossen. Staunend stehen die Menschen davor, sehen die angerostete Skulptur und oben links, ja, da … Gegenüber vom Kanzlerinnenamt steht stolz der Reichsbundestag, wo die Kuppel gleißt. Töne vom Glockenspiel wehen vom Tiergarten heran, Paare sitzen auf Treppen und im Gras. Glück hat Gesichter.

Berlin, Italien. Der Fluss, nicht Ebro, nicht Po, die Spree, fließt träge, auf einem Ausflugsdampfer am Ufer blasen Jagdhörner, Gelächter kommt über die federnde Brücke herüber vom Bahnhof. Dass die gläsernen Seitenarme zu kurz seien, wie Ästheten sagen, sieht man nicht, der blaue Himmel taucht alles in helle Freundlichkeit.

Freches Grün lugt aus dem Asphalt, am Bahnhof, am Kanzleramt, am Band des Bundes, das die Herzen flattern lässt. Selbst der Parlamentskindergarten wirkt nicht mehr wie verloren, sondern wie ein Teil vom großen Ganzen. Und wär’ das hier ein Mezzogiorno, politisch – schön ist der auch. Schaut nur. Stephan-Andreas Casdorff

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