EDITORIAL : Kultur, mehrgleisig

Stephan-Andreas Casdorff

Eine Fahrt vorbei am Hamburger Bahnhof, und in mich hinein fährt die Assoziation der Verbindung zweier Städte. Berlin und Hamburg sind doch in der Tat geradezu wunderbar verbunden, durch Kultur, mehrgleisig. Berlin schickt einen Staatsminister, um Hamburg zu regieren, Ausstellungen wandern, Bilder, Theaterstücke, Theatermacher demnächst auch – schnell hinein in den Zug. Der huscht vorüber an ältlichen Häusern, niedrig umbaut (Uwe Johnson), durch ein weites Feld (Günter Grass) in die kühle Schöne (Michael Jürgs). Im Deutschen Schauspielhaus wird Juli Zehs „Spieltrieb“ – über die Frage nach einer objektiven Existenz von Recht und Unrecht – aufgeführt, und was Roger Vontobel hervorlockt an grenzgenialer Spielkunst, ist den Besuch wert. So sehr wie Samuel Becketts „Endspiel“ hier in Berlin, mit Preisträger Ulrich Matthes am Deutschen Theater. Auch darin geht es über Grenzen, fordert es einen Spieltrieb, aber anderer Art. Denn gespielt wird das Komische im Unglück. Komisch: Es ist ein bisschen vom Glück, Kultur so erreichbar zu wissen. Stephan-Andreas Casdorff

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