Kultur : Eduardo Chillida: Hand in Hand: Stahlkunst für den Kanzler

Nicola Kuhn

Ein Sinnbild für die neue Republik, Symbol für das wieder vereinte Deutschland sollte es sein, zugleich Blickfang für die auf das Kanzleramt gerichteten Kameras. Mit Eduardo Chillidas fünfeinhalb Meter hoher Skulptur "Berlin", die gestern von Bundeskanzler Schröder im Ehrenhof seines künftigen Amtssitzes enthüllt wurde, hat man die ideale Skulptur für alle drei Funktionen gefunden: kantige, kraftvolle Formen für den neuen Geist, zwei einander zustrebende abstrahierte Hände und ein rostigroter Kontrapunkt zur geschwungenen hellen Fassade des Kanzleramts. "Ist doch schön, ne?", war denn auch die erste spontane Bemerkung Schröders, nachdem eine Kranwinde den Vorhang über der Schenkung eines Münchner Mäzens gelüftet hatte. Schön allerdings ist diese letzte Großskulptur des baskischen Bildhauers am wenigsten. Mit ihrer spröden Ruppigkeit steht sie im Gegensatz zur fließenden Eleganz von Henry Moores "Large Two Forms", die den Weg zum Bonner Bundeskanzleramt zieren und für Berlin wohl nicht passten. Erst Chillidas stählerne Tentakeln sind ein Reflex auf die Umbruchsituation Berlins, die selbst dann noch bleiben wird, wenn die Baukräne verschwunden sind.

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